Unter App-Musikern mit einem Kurs zum Mobilen Lernen in der Kulturellen Bildung.

Vom 22.-26. Mai war ich Teil des Dozent_innenteams des BMBF-geförderten Weiterbildungsangebotes “Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung“. Entwickelt wurde die berufsbegleitende Weiterbildung für Musiker_innen von der Forschungsstelle App-Musik an der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. Während fünf Tagen habe ich also zusammen mit ca. 15 Musiker_innen in Wolfenbüttel zum Mobilen Lernen und App-Musik gearbeitet und dort eine spannende Zeit gehabt. Heute wurde mein Blogbeitrag zu dieser Phase im tAPP-Blog veröffentlicht. Auch wenn ich ihn im Folgenden parallel veröffentliche, empfehle ich dringend, einen Blick auf tAPP-Website und tAPP-Blog zu werfen. Tolle Sache das!

 

Mobiles Lernen verstehen, planen und kritisieren. Potenzial, Herausforderungen und Visionen für kulturelle Bildungsangebote.

Während der dritten fünftägigen Phase des Zertifikatskurses tAPP in Wolfenbüttel Ende Mai 2016 haben Teilnehmer_innen und Dozenten_innen viel geplant, gelernt, unterrichtet, geprobt und reflektiert. Hier steht zusammengefasst, welche Lernerfolge, Herausforderungen, Lösungen und Motivationen sich dabei aus Sicht des Schwerpunktes „Mobiles Lernen“, den ich inhaltlich betreut habe, herauskristallisiert haben.

Mobiles Lernen schwer gemacht

Mobiles Lernen ist Lernen mit tragbaren digitalen Technologien. Ja, aber: Nein. Auch. Also was?
In meinem Mobile-Learning-Pflichtkurs haben wir Praxis, Theorie und Didaktik des Mobilen Lernens kritisch beleuchtet und versucht, zentrale Bereiche der M-Learning-Diskussion an Kulturelle Bildung und das Musizieren mit Apps anzubinden. Um die Frontalanteile aufzulockern, habe ich die drei Input-Teile meines Kurses jeweils mit der Frage abgeschlossen, was Mobiles Lernen ist. Während die Antworten der Teilnehmer_innen zu Beginn des Kurses noch stark auf Technologien und Mobilität fokussiert waren („Technik“, „Lernen in Wald“), hat sich das Bild am Ende des Seminars sehr viel differenzierter dargestellt („Alltagsbezug“, „situationsangemessen“, „Lernvielfalt“).

Fragen gestellt und beantwortet 1: Was ist Mobiles Lernen?

Technik ∙ Bewegung ∙ ständige Verfügbarkeit ∙ Nachhaltigkeit ∙ Fehlende Kompetenz ∙ Viele Möglichkeiten ∙ Viel Skepsis ∙ Privatsphäre ∙ Setting ∙ Kritische Auseinandersetzung ∙ Technikkompetenz ∙ Überforderung ∙ kontextorientiert ∙ mehr als mobile Geräte ∙ Praxis vor einem fachlichen Diskurs systematisiert ∙ top-down, bottom-up, affordance ∙ situationsangemessen ∙ Zeitgemäßes Lernen mit aktuell verfügbaren Technologien ∙ Soziale kulturelle gesellschaftliche Rahmen ∙ Lernen überall ∙ Lernen außerhalb der Schule ∙ Lernen im Wald ∙ ungezwungenes Lernen ∙ selbstverständliches Lernen ∙ Lernen in Alltagswelt der Menschen integriert ∙ Lernvielfalt ∙ Vermischung von Schule und Alltag ∙ Ressourcen ∙ Auf Kompetenzen und Wissen der Lerner aufbauen ∙ Konvergenz ∙ Verfügbarkeit von Lerninhalten ∙ schnelles Produzieren ∙ Situatives, spontanes, bedarfsorientiertes Lernen ∙ allgegenwärtiges Lernen ∙ Kontext rules! ∙ gekoppelt an Kommunikation ∙ Brücke zum Alltag ∙ Lebenswelten verstehen ∙ am Zahn der Zeit bleiben

Soweit und so knapp zu den Ergebnissen aus dem Pflichtkurs „Mobiles Lernen verstehen, planen und kritisieren. Potenzial, Herausforderungen und Visionen für kulturelle Bildungsangebote.“ Wichtig war mir – um das noch einmal kurz zusammenzufassen – dass die Teilnehmer_innen ein Verständnis für die Komplexität, Vielfalt, Möglichkeiten und Widersprüche entwickeln, die Mobiles Lernen bedeutet. Und das ist den Teilnehmer_innen in meinen Augen gelungen.

Mobiles Lernen praktisch umgesetzt

Die Organisatoren haben den Kursteilnehmer_innen die Aufgabe gestellt, Lernen mit Apps in einer benachbarten Schule umzusetzen. Zur Vorbereitung war am Sonntag und Montag Zeit, die Durchführung stand für den Dienstagvormittag auf dem Plan.

Aufgabe

Die Gruppe, die ich betreut habe, sollte eine Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik mit Apps gestalten. Das Setting:

  • Zeitrahmen für den Unterricht: 90 Minuten;
  • Schüler_innen: 10. Klasse;
  • Fächerbezug: Musikunterricht;
  • Thema: Zwölftonmusik am Beispiel von Arnold Schönbergs „Ein Überlebender aus Warschau“;
  • Ziel: Produktion von App-Musik.
Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. Arbeitsgeräte für die Gruppenarbeit vorbereitet (Foto: Judith Seipold). Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. Arbeitsgeräte für die Gruppenarbeit vorbereitet (Foto: Judith Seipold).

Unterrichtsphasen

Als die 5 Phasen der Unterrichteinheit zur Zwölftonmusik konnte ich im Vorfeld der Reflexion folgende ausmachen:

  1. Initiale Phase
  2. Aneignungsphase
  3. Erarbeitungsphase
  4. Kompositionsphase
  5. Präsentationsphase

Schön wäre gewesen, an das Ende der Stunde eine Diskussions- und Reflexionsphase mit den Schüler_innen zu setzen, um ihre Eindrücke der Unterrichtsstunde zu sammeln und so über Ideen, wie Lernen funktioniert hat, hinauszugehen und eine Annäherung an Bildungsdimensionen zu erreichen. Das war aber aus Zeitgründen nicht mehr möglich.

Mobiles Lernen evaluiert

Nach Durchführung der Unterrichtseinheit kamen wir in den Gruppen zusammen, um die Schulstunden zu reflektieren. Dazu haben die Gruppen zusammen mit den Dozent_innen vorher ausgewählte Videovignetten (pro Phase 1 bis 3 Videovignetten) angesehen und Aspekte zu Lernen und Bildung kritisch eingeordnet. Ich habe mit den Gruppen Unterrichtsausschnitte mit Blick auf Mobiles Lernen untersucht.

Leitfragen und Kategorien

Leitfragen zur Reflexion waren „Wie lief Lernen ab? Beobachtungen & Fakten.“ (deskriptiv) und „Wie lief Lehren ab? Erkenntnisse & Kritik.“ (interpretativ). Reflexionskategorien, die zur Systematisierung des Brainstormings dienten, umfassten Lehren, Lernen, didaktische Aspekte und Ressourcen:

  • Schüler_innen
  • Lehrer_innen
  • Didaktik
    • Vorbereitung und Organisation von Lehren und Lernen, inkl. Infrastruktur
  • Ressourcen
    • Informationen, Technologien, Lernprodukte
  • Sonstiges
    • Positives, Negatives

Unter „Sonstiges“ haben wir prägnante positive und negative Aspekte abgehandelt, die Grundlage für Tipps und Handlungsanleitungen für kommende App-Musik-Unterrichtsstunden bildeten.

Wie lief Lernen ab?

Schüler_innen:
Während wir uns der Frage nach dem Lernen beschreibend näherten, wurde deutlich, dass die Schüler_innen sehr selbstorganisiert mit der Aufgabenstellung umgegangen sind. Sie haben ihre Fragestellung konkretisiert, haben ausgehandelt, worauf der Fokus ihrer Komposition liegen sollte, wo Geräusche gesucht wurden und wer wann die Technik bedienen sollte, haben sich die Technik teils spielerisch angeeignet, sich teils instruieren lassen, haben ihre Materialien gesammelt, geordnet, ausgewählt, neu zusammengestellt und ihre Kompositionen in den Abschlusspräsentationen sehr strukturiert und erläuternd vorgetragen. Wie vielfältig, konversationsbasiert und explorativ das Lernen war, macht die Auflistung der zusammengetragenen Stichworte weiter unten deutlich.

Lehrer_innen:
Die Lehrer_innen haben die Unterrichtseinheit frontal und instruierend eingeleitet und wurden dann während des weiteren Verlaufs immer mehr zu Berater_innen und Begleiter_innen, die den Schüler_innen unterstützend zur Seite standen, wenn sie benötigt wurden. Meist geschah dies zur Beseitigung technischer Probleme oder um die Meinung der Lehrer_innen zu Geräuschen oder Kompositionen einzuholen.

Didaktik:
Eröffnet wurde die Stunde mit einem Frontalanteil, danach erfolgte der Einstieg in die Gruppenarbeit. Den Hauptanteil der Unterrichtsstunde nahm offenes Arbeiten in selbst gewählten Gruppenstärken ein, in denen selbständiges Arbeiten und Lernen gefordert war. Den Abschluss bildeten die Präsentationen der Kompositionen der einzelnen Gruppen.

Ressourcen:
Zur Verfügung standen die Handys der Schüler_innen, Internetzugang, iPads, Mischpulte, Kopfhörer, Lautsprecher, Adapter, Kabel und Musikapps ebenso wie Papier, Stifte, Musikinstrumente – und nicht zu vergessen Alltagsgegenstände, die zur Herstellung von Geräuschen dienten. Die iPads und Apps wurden sehr selbstverständlich genutzt und nahmen keine störend dominante Position in dem Lehr-Lern-Arrangement ein.

Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. Schüler_innen arbeiten selbstorganisiert. (Foto: tAPP; Snapshots aus dem Videomaterial zur Unterrichtsstunde Zwölftonmusik) Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. Schüler_innen arbeiten selbstorganisiert. (Foto: tAPP; Snapshots aus dem Videomaterial zur Unterrichtsstunde Zwölftonmusik)

Fragen gestellt und beantwortet 2: Wie lief Lernen ab? Beobachtungen & Fakten.

Schüler_innen: brainstormen ∙ überlegen ∙  diskutieren ∙ recherchieren ∙ sammeln ∙ ordnen ∙ formulieren ∙ moderieren ∙ führen ein ∙ praktizieren Gruppenarbeit ∙ realisieren Selbstbildungsprozesse ∙ wirken ruhig ∙ probieren aus ∙ spielerisch ∙ instruiert ∙ arbeiten lehrerunabhängig ∙ explorativ ∙ selbständig ∙ frei ∙ zusammen ∙ learning-by-doing ∙ hands-on ∙ lernen instrumentell ∙ komponieren ∙ lernen systematisch ∙ stecken Ziele selbst ∙ lernen konzentriert ∙ bunt ∙ laut ∙ aushandelnd ∙ revidierend ∙ musizieren gemeinsam ∙ probieren gemeinsam aus ∙ „Alle dürfen mal touchen“ ∙ erstellen Ressourcen ∙ beschreiben ∙ erklären ∙ inszenieren ∙ performen

Lehrer_innen: begleiten ∙ geben Tipps zur Arbeit mit den Apps ∙ Einzelteaching ∙ Teamteaching ∙ ordnen ∙ strukturieren ∙ leiten an während Kompositionsphase (als schwierigste Phase empfunden) ∙ geben feedback ∙ Reflexion ∙ Technikberater auf Abruf

Didaktik: Frontalanteil zum Einstieg ∙ Offenes Arbeiten mit Lehrer_innenbegleitung in den Hauptteilen ∙ Gruppenarbeit ∙ Exkursion ∙ Selbsterfahrung ermöglicht ∙ unterschiedliche Lehrerrollen

Ressourcen: Handy ∙ Internet ∙ Tablets ∙ Apps ∙ Papier & Stift ∙ Musikinstrumente ∙ Alltagsgegenstände ∙ Geräusche

Wie lief Lehren ab?

Die Fokussierung auf das Lehren, die Rolle der Lehrer_innen, die Organisation von Lehren und Lernen und die Infrastruktur hat es den Teilnehmer_innen erlaubt, abschließend gelungene und weniger gelungene Bereiche bei der Unterrichtsplanung und -durchführung ausfindig zu machen. Während die Initiierung von selbständiger Gruppenarbeit und demokratischen Gruppen- und Selbstbildungsprozessen, die Rolle der Lehrer_innen als Begleiter_innen sowie die Begrüßung im Plenum und das Kennenlernen in den Arbeitsgruppen als gelungen empfunden wurden, wurden vor allem die Lehrer_innenrolle, das professionelle Selbstverständnis sowie die Relevanz des Ermöglichens von Teilhabe und gleichberechtigten Lern- und Bildungsprozessen kritisiert und hinterfragt.

Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. Lehrer_innen als Berater. (Foto: tAPP; Snapshot aus dem Videomaterial zur Unterrichtsstunde Zwölftonmusik) Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. Lehrer_innen als Berater. (Foto: tAPP; Snapshot aus dem Videomaterial zur Unterrichtsstunde Zwölftonmusik)

Fragen gestellt und beantwortet 3: Wie lief Lehren ab? Erkenntnisse & Kritik. Positives.

Schüler_innen: sehr offen und engagiert > leichtes Arbeiten ∙ Demokratische Gruppenprozesse ∙ Soziales Lernen

Lehrer_innen: A.‘s Moderation

Didaktik: „Aufwärmen“ in Gruppen gelungener Einstieg

Fragen gestellt und beantwortet 4: Wie lief Lehren ab? Erkenntnisse & Kritik. Negatives.

Schüler_innen: Kamerafixierung der Schüler_innen ∙ Präsentationen wirken steif und abgefragt

Lehrer_innen: Körpersprache / Unsicherheit in der Körpersprache ∙ Gesichtsausdruck eigene Gefühlswelt ∙ Professionalität ∙ Selbstverständnis als Einzelperson ∙ Selbstverständnis als Lehrer_innenteam

Didaktik: Technische Anordnung abklären ∙ Materialbedarf im Vorfeld abklären ∙ Ende (Präsentationen) mehrfach verschoben ∙ Keine Pause ∙ Nächste Klasse vor Ende im Raum ∙ Nicht funktionierende Teilhabe ∙ Planungsunsicherheit ∙ bereits behandelte Themen ∙ nicht behandelte Themen ∙ Zum Einstieg viel Geschichtsthematik anstatt Musikbezug ∙ Techniksetting nicht kurzfristig ändern

Tipps & Tricks

Die Kritik der Teilnehmer_innen konnten am Ende der Reflexionsphase in konkrete Hinweise und Handlungsanleitungen zur Unterrichtsplanung und -durchführung überführt werden. Auch hier ging es im Wesentlichen um die Einschätzung der eigenen Rolle den Schüler_innen gegenüber und Möglichkeiten, allen Schüler_innen gleichermaßen Partizipation zu ermöglichen, aber auch infrastrukturelle und organisatorische Aspekte wurden als relevant thematisiert.

Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. „Home base“ der Arbeitsgruppen. (Foto: Judith Seipold) Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. „Home base“ der Arbeitsgruppen. (Foto: Judith Seipold)

 

Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. „Home base“ der Arbeitsgruppen. (Foto: Judith Seipold) Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. „Home base“ der Arbeitsgruppen. (Foto: Judith Seipold)

 

Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. „Home base“ der Arbeitsgruppen. (Foto: Judith Seipold) Unterrichtsstunde zur Zwölftonmusik. „Home base“ der Arbeitsgruppen. (Foto: Judith Seipold)

Fragen gestellt und beantwortet 5: Welche Hinweise und Handlungsanleitungen für Unterrichtsplanung und -durchführung von App-Lernen gebt Ihr den anderen Gruppen?

Didaktik: Lehrerrolle: Eigene Motivation überdenken ∙ Anleiten im Sitzen oder im Stehen? ∙ Sensibilität für Gruppenprozesse/Gruppenverhalten entwickeln ∙ Partizipation und Teilhabe ermöglichen ∙ Auf Körperhaltung achten ∙ Auf die Beziehung Lehrer_innen – Schüler_innen achten

Setting: An Sitzordnung arbeiten ∙ Gruppen räumlich entzerren ∙ Arbeitsplatzorganisation

Lernen initiieren: Andere Lernkanäle mit benutzen ∙ Eingangs gleiche Ausgangsbasis (Wissensbasis) für den Umgang mit der Technik schaffen (Technikmuffel – Experten; Lehrer – Schüler; Jungen – Mädchen)

Positiv hervorzuheben: Rolle als Begleiter_in gut umgesetzt ∙ Team im Blick

Think mobile! Zwei Mobile Statements zum Schluss.

„Mobiles Lernen schwer gemacht“ soll nicht demotivieren. Im Gegenteil: Mobiles Lernen muss in der Praxis nicht immer aus komplexen Lehr- und Lernarrangements bestehen oder als groß angelegtes Projekt mit langfristiger Laufzeit konzipiert sein. Wie wir in dieser tAPP-Phase gesehen haben, kann auch eine Musik-Doppelstunde erfolgreiches Mobiles Lernen ermöglichen. Wie dem auch sei: Mobiles Lernen nicht nur als Hype zu feiern sondern auch einmal kritisch an Praxis und Theorie heranzugehen, schadet nicht. Im Gegenteil: Es hilft, die Facetten des Mobilen Lernens zu verstehen und es so auch über den Hype-Status hinaus langfristig und nachhaltig zu gestalten und anzulegen. In diesem Sinne noch zwei Statements zum Abschluss dieses Beitrags:

Gegen die „Zwanghafte Versinnvollung von Technologie und Software“

Also: Wählen zwischen drei Ansätzen bei der Implementierung von Mobiltechnologien in den Unterricht. Auch gerne einmal auf die Technologien verzichten, anstatt sie zwanghaft auf Unterrichts-, Lehr- und Lernstrategien aufzusetzen. Und dabei bedenken, dass jeder der drei Ansätze unterschiedliche Perspektiven auf und Notwendigkeiten für Lernen, Lehren, Infrastruktur und organisatorische Dimensionen mit sich bringt.

Drei Ansätze zur Implementierung von Mobiltechnologien in den Unterricht (Seipold 2012). Drei Ansätze zur Implementierung von Mobiltechnologien in den Unterricht (Seipold 2012). Siehe auch hier.

Mobiles Lernen steht für zeitgemäßes Lehren und Lernen mit aktuell verfügbaren Technologien

Rückt die Diskussionen um „Wen oder was trage oder bewege ich wann warum wohin, um zu lernen?“ doch mal eben und auch fürs Erste bei Seite. In der Diskussion um Mobiles Lernen sollten solche Grundlagen eigentlich schon seit Jahren nicht mehr als revolutionäre Erkenntnisse herhalten müssen. Es geht doch bereits seit Mitte des letzten Jahrzehnts darum, wie sich Lernen verändern muss, um zeitgemäß zu sein. Dazu gehören neben analogen und digitalen Medien eben nicht nur selbstverständlich aktuelle und tragbare Technologien. Zentral ist, kollaboratives und personalisiertes Lernen durch die Öffnung hin zu Handlungskompetenzen, Kulturellen Praktiken, Strukturen, Ressourcen und Alltags- und Lebenswelt der Lerner_innen zu ermöglichen. Also: Strukturen, Handlungskompetenzen, Kulturelle Praktiken, Ressourcen und Subjektivität der Lerner_innen berücksichtigen und für Schule, Lernen und Bildungskontexte kultivieren. Bezugsfelder für zeitgemäßes Lernen? Das sind sie:

Erweitertes Modell der Lernergenerierten Contexte: Contextkonstruktion. Ein Ökologiemodell von Aneignung (Seipold 2014). Erweitertes Modell der Lernergenerierten Contexte: Contextkonstruktion. Ein Ökologiemodell von Aneignung (Seipold 2014).

 

(Wer sich für konkretere Ausführungen dazu interessiert: Hier ist die Liste meiner Vorträge und Veröffentlichungen zum Mobilen Lernen und Lernergenerierten Contexten.)

Intertextuelle und intramediale Bezüge als Orientierungsangebot – systematische Überlegungen und exemplarische Untersuchungen zu Verweisen auf das Fernsehangebot.

Trailer und Logos im Fernsehprogramm sind nicht nur Werbung für das eigene Programm oder das der Senderfamilie, sie bieten den Zuschauern auch Orientierung: zu Inhalten der kommenden Sendung, mit Bezug zu Tagesablauf und Tagesplanung, mit Blick auf Genrepräferenzen und -kompetenzen usw.

Im Jahrbuch Medienpädagogik 3 haben Ben Bachmair und ich einen Artikel dazu veröffentlicht, der neben den Orientierungsangeboten im Fernsehprogramm auch auf die Intertextualität und Orientierungsrahmen in der BILD-Zeitung und in europäischen Websites für Kinder eingeht. Während der Teil zum Fernsehprogrammangebot im Rahmen meiner Forschung zur Medien- und Genrekompetenz entstand, stehen die anderen beiden Teile in Zusammenhang mit unserer Forschung im Rahmen des ESF geförderten Projekts “Changing Media – Changing Europe“, an dem Ben Bachmair und in einigen Bereichen auch ich beteiligt waren. Die URL zum Text findet sich in u.a. Literaturangabe.

 

Bachmair, Ben; Seipold, Judith (2003): Intertextuelle und intramediale Bezüge als Orientierungsangebot – systematische Überlegungen und exemplarische Untersuchungen zu Verweisen auf das Fernsehangebot. In: Bachmair, Ben; Diepold, Peter; de Witt, Claudia (Hrsg.): Jahrbuch Medienpädagogik 3. Opladen: Leske + Budrich, S. 51-81. Online.

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