Mobiles Lernen in #'s

Mobiles Lernen – was ist das? Mobiles Lernen für kulturelle Bildungsangebote verstehen, planen und kritisieren. Und mehr.

5 Tage tAPP* in Berlin. 5 Tage intensive Praxis-, Konzeptions-, und Theoriearbeit. 5 Tage Gedanken zum Mobilen Lernen beim Musizieren mit Apps in der Kulturellen Bildungsarbeit.

* BMBF-gefördertes Weiterbildungsangebot “Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung“. Entwickelt wurde die berufsbegleitende Weiterbildung für Musiker_innen von der Forschungsstelle App-Musik an der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel. tAPP-Website und tAPP-Blog.

Während der fünftägigen tAPP-Phase in Berlin Mitte November 2016 habe ich den Schwerpunkt „Mobiles Lernen“ betreut. Wir haben in vielen unterschiedlichen Formaten geplant, umgesetzt und reflektiert: Barcamp, Vortrag, selbstorganisierte Phasen, Unterrichtsvorbereitungen, Impulsvorträge, Diskussionsrunden, Reflexionsrunden, Sprechstunden und Konzertvorbereitungen waren die Formate, die tAPP 3.2 strukturiert haben und in denen die Kursteilnehmer*innen mit den Dozent*innen zusammen gearbeitet haben. Auch zum Mobilen Lernen.

Kontroverses zum Mobilen Lernen. Barcampeingaben.

Die zweite Phase des dritten tAPP-Durchgangs startete mit dem #tappbarcamp, einem Barcamp, das für die Teilnehmer*innen des Zertifikatskurses und für Externe offenen war.

Themen des #tappbarcamp November 2016 (Foto: Judith Seipold) Themen des #tappbarcamp November 2016 (Foto: Judith Seipold)

Im Vorfeld hatte ich drei Themen ausgesucht, anhand derer die Barcamper unterschiedliche Aspekte des Mobilen Lernens diskutieren konnten. Wenn sie wollten. Und das hatte ich mir dazu gedacht:

Meine Eingaben für das #tappbarcamp (Judith Seipold 2016 (unveröffentlicht)) Meine Eingaben für das #tappbarcamp (Judith Seipold 2016 (unveröffentlicht))

#TeilVonMir. Warum wir Mobiltechnologien im Alltag nutzen.

Um was kann es gehen? Diverse Nutzungsszenarien, Nutzungsgründe, Gerätefunktionen etc. und die jeweils mögliche Relevanz für Schulisches Lernen und Bildung.

Warum? Weil Mobiles Lernen in der Regel aus Sicht von Schule und Bildungseinrichtungen gedacht wird und leider viel zu selten aus Sicht der Lernenden und ihrer Perspektiven, Kompetenzen, Wissen, Praktiken … Und weil hinter der Alltagsnutzung viel Potenzial für schulisches Lernen und Bildungsarbeit steckt … Und weil man (Lehrer*in) nur lernen muss, es zu erkennen und zu nutzen …

#Störfaktor. Warum wir Mobiltechnologien dringend aus Lern- und Bildungskontexten ausschließen müssen.

Um was kann es gehen? Den Ausschluss der Mobiltechnologien aus Lern- und Bildungskontexten und Strategien zur nachhaltigen Vermeidung der Nutzung solcher Geräte in Lern- und Bildungskontexten.

Warum? Weil Mobiltechnologien nicht zu Unterricht, Lehren und Lernen gehören. Sie sind teuer und wartungsintensiv. Sie lenken die Lerner*innen ab, verursachen Elektrosmog, sind Tor zu social media, die im Unterricht sowieso nichts zu suchen haben. Und Lehrer*innen können sich nicht auch noch um die Technik kümmern, sich mit rechtlichen und ethischen Dimensionen befassen und ihren Unterricht schon wieder auf eine neue Technologie ausrichten. Also: Weg damit!

#Alleskönner. Warum wir nicht auf Mobiltechnologien in Lern- und Bildungskontexten verzichten dürfen.

Um was kann es gehen? Den bedarfsorientierten und nachhaltigen Einsatz von Mobiltechnologien in Lern- und Bildungskontexten.

Warum? Wir haben die Möglichkeiten, also machen wir. Mobiltechnologien sind Teil unseres Alltags, also muss Schule und Bildung auch machen. Mobiltechnologien eröffnen neue Lernräume, Lernformen, Bildungsperspektiven, also initiieren wir. Mobiles Lernen ist Teil Lebenslangen, nachhaltigen und personalisierten Lernens. Also leiten wir an.

Letztlich habe ich mich dazu entschieden, #TeilVonMir vorzuschlagen. Auf dem folgenden Foto ist die nicht ganz vollständige Liste unseres 20-miütigen Brainstormings zu sehen.

Nutzung von Mobiltechnologien im Alltag (Foto: Judith Seipold) Nutzung von Mobiltechnologien im Alltag (Foto: Judith Seipold)

Konsequenzen, die man für Lehren und Lernen daraus ziehen kann, haben die Barcamper*innen je nach individueller Perspektive selbst festgehalten. Beispiel: Warum nutze ich welche Funktion? Aufgrund welchen Interesses oder welcher Absicht nutze ich welche Mobiltechnologie? Welche Rolle kann man mir dabei zuschreiben? Welche Handlungskompetenzen und kulturelle Praktiken realisiere und etabliere ich in einer bestimmten Rolle? Welches Wissen rufe ich ab oder eigne ich mir an? Wie sind diese(s) Praktiken, Kompetenzen und Wissen für Schule und Bildung nutzbar? So war das.

M-Learning basics. Geballt und unverhohlen. Ein Vortrag.

Tag zwei startete mit meinem Vortrag „Mobiles Lernen – was ist das? Mobiles Lernen für kulturelle Bildungsangebote verstehen, planen und kritisieren.“ 60 Minuten und kein Entkommen. Ziel? Mobiles Lernen nicht nur als Lernen mit tragbaren digitalen Technologien zu sehen, sondern um

  • eine Idee davon zu entwickeln, welche wissenschaftlichen Disziplinen sich mit dem Mobilen Lernen befassen, wie die M-Learning-Diskussion in den vergangenen Jahren verlaufen ist und welche Schwerpunkte die pädagogische Forschung im Bereich des M-Learning zurzeit setzt.
  • einen Überblick zu bekommen, welche Funktionen Mobiltechnologien beim Lernen haben können, welche Apps, tools und konvergente Technologien in der gängigen Praxis eine Rolle spielen und wie die klassischen Anwendungsszenarien aussehen.
  • sich knapp vor Augen zu führen, wie Mobiles Lernen aktuell theoretisch eingeordnet wird und wie man Mobiles Lernen alltagsnah, kulturtheoretisch und subjektzentriert rahmen und verstehen kann.
  • sich kritisch zu didaktischen Aspekten zu positionieren und Möglichkeiten und Konsequenzen diverser Implementierungsstrategien abzuschätzen
  • Impulse für die systematische und nachhaltige Durchführung von eigenen M-Learning-Projekten aufzugreifen
  • Mobiles Lernen auch als „zeitgemäßes Lehren und Lernen mit aktuell verfügbaren Technologien“ zu sehen.
Mobiles Lernen – was ist das? Aufruf zur kontinuierlichen Reflexion während des Vortrags (Judith Seipold 2016b) Mobiles Lernen – was ist das? Aufruf zur kontinuierlichen Reflexion während des Vortrags (Judith Seipold 2016b)

Dieser Vortrag bot den Kursteilnehmer*innen Anknüpfungspunkte an die Barcamp-Session und bildete gleichzeitig die Grundlage für die weitere gemeinsame Arbeit in den darauffolgenden Tagen, an denen wir immer wieder auf unterschiedliche Aspekte aus der Präsentation zurückgekommen sind.

Der Sprung ins dann doch nicht so kalte Wasser. Eine App-Musik-Doppelstunde in einer Kreuzberger Grundschule.

Nachdem die Kursteilnehmer*innen an den ersten zwei Tagen mit Unterstützung zweier Lehrer mehrere Einheiten mit den Vorbereitungen ihrer Schulprojekte verbracht hatten, stand am Montag die Durchführung an zwei Berliner Schulen an. Ich habe zwei Gruppen an eine Kreuzberger Grundschule begleitet und dort als Beobachterin an ihren Unterrichtsstunden teilgenommen. Die Rahmendaten:

  • Zeitrahmen für den Unterricht: 90 Minuten;
  • Schüler_innen: 6. Klasse;
  • Fächerbezug: Musikunterricht;
  • Thema: Musizieren mit Apps;
  • Ziel: Ein Musikstück mit einer von zwei Apps erstellen und am Ende in Ensembles und als Orchester vortragen.
 Technik für die Präsentation in Ensembles und als Orchester (Foto: Judith Seipold)
Technik für die Präsentation in Ensembles und als Orchester (Foto: Judith Seipold)

Die Gruppe, mit der ich am Nachmittag in die Reflexion einsteigen sollte, unterrichtete eine 6. Klasse mit ca. 20 Schüler*innen. Als Ziel hatte sich die Lehrer*innengruppe gesetzt, die Schüler*innen mithilfe einer App ein Musikstück erstellen zu lassen, das die Schüler*innengruppen am Ende vor der Klasse vorführen sollten. Das lief sehr strukturiert und ist sehr gut gelungen. Die Schüler*innen hatten nicht nur 90 Minuten Spaß, sondern neue Erfahrungen mit dem etwas anderen Musizieren gemacht und sich als Komponist*innen und Musiker*innen versucht. Dass sich die Schüler*innen solch einen Unterricht auf in Zukunft wünschen würden, haben sie der Lehrer*innengruppe gesagt. Dass sie dabei besonders auf Eigenständigkeit, Selbstgesteuertes Lernen, Produktorientierung und für sie neue Präsentationsformen stolz waren, zeigen Kommentare wie „Das hat Spaß gemacht!“, „Die Lehrer sollen wiederkommen!“, „Dass man am Ende präsentieren darf, was man gemacht hat.“ und „Dass man selbständig arbeiten kann und nicht machen muss, was die Lehrerin sagt.“.

Mobile Learning revisited. Reflexion der Unterrichtsstunde.

Im Anschluss an die Unterrichtsstunde stand die Reflexion in den jeweiligen Lehrer*innengruppen an. Eine für die Kursteilnehmer*innen wichtige, intensive und erkenntnisreiche Einheit. Für die Reflexion hatte ich drei Abschnitte vorgesehen:

  1. Beschreibung des Unterrichtsablaufs und von Lehren und Lernen.
  2. Interpretierend Erkenntnisse formulieren.
  3. Die Erkenntnisse in tipps & tricks für weitere Praxisprojekte überführen.

Beschreibung

Im ersten Teil „Beschreibung“ haben wir die Reflexionskategorien herangezogen, die ich bereits in der vergangenen Phase genutzt hatte. Die Lehrer*innen empfanden diesen Leitfaden als einleuchtend und er hat sich in der Reflexionspraxis als praktikabel erwiesen:

  • Phasen der Unterrichtsstunde
  • Schüler*innen
  • Lehrer*innen
  • Didaktik (Vorbereitung und Organisation von Lehren und Lernen, inkl. Infrastruktur)
  • Ressourcen (Informationen ∙ Technologien ∙ Lernprodukte)
  • Sonstiges (Positives ∙ Negatives)

Phasen der Unterrichtsstunde

Ausgehend von den 5 Phasen, die ich im vergangenen tAPP-Durchgang im Mai 2016 als Struktur eines der Unterrichtsprojekte herausgestellt hatte, haben wir damit begonnen, den Unterrichtsablauf zu beschreiben. Im Laufe der Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Durchführung wurde klar, dass die 5 Phasen ergänzt werden müssen, um den Reflexionsprozess der Schüler*innen zu berücksichtigen, die Rückbindung der Lernziele an die Lernaktivitäten zu schaffen und auch infrastrukturelle und organisatorische Aspekte wie Aufbau und Abschluss zu reflektieren. Das Ergebnis sind diese acht Punkte:

  1. Aufbau
  2. Initiale Phase
  3. Aneignungsphase
  4. Erarbeitungsphase
  5. Kompositionsphase
  6. Präsentationsphase
  7. Diskussions- und Reflexionsphase
  8. Abschluss

So entstanden im Laufe des gemeinsamen Evaluationsprozesses neben den umfangreichen und teils sehr detaillierten Beschreibungen und Analysen der einzelnen Phasen die „8 möglichen Phasen einer App-Musik-Unterrichtsstunde“. Wie diese acht Phasen miteinander in Verbindung stehen, habe ich in der Nachbereitung der Reflexion grafisch aufbereitet:

8 mögliche Phasen einer App-Musik-Unterrichtsstunde (Judith Seipold) 8 mögliche Phasen einer App-Musik-Unterrichtsstunde (eigene Darstellung)

Am Anfang (1) und am Ende (8) der Unterrichtsstunde stehen infrastrukturelle und organisatorische Aspekte, die Grundlage für Lernaktivitäten bilden und der Unterrichtseinheit einen geschlossenen Rahmen geben. In der initialen Phase (2) werden Ziele der Unterrichtsstunde vorgestellt und erläutert und der Ablauf der Stunde besprochen. Die Ziele werden in der Reflexionsphase (7) wieder aufgegriffen, reflektiert, evaluiert und so auf eine Metaebene gehoben. Es folgt in Schritt 3 der Praxisteil, der sich um die Erstellung eines Musikstückes (hier: Komposition) dreht. Das Musikstück steht im Zentrum, wird jedoch eingeleitet von der Aneignungsphase (3), in der sich die Schüler*innen mit der Technik vertraut machen und der Erarbeitungshase (4), in der sie ihr Musikstück vorbereiten und erstellen. Das fertige Produkt (hier: Komposition) steht an Stelle (5), bevor die Schüler*innen die Kompositionseinheit, die mit der grünen gestrichelten Linie markiert ist, mit ihrer Präsentation (6) – in diesem Fall Vorführung in Ensembles und als Orchester – abschließen.

Um das Schema auch auf andere Projekte zu beziehen, die nicht wie hier eine eigene Komposition zum Ziel haben, sollte man einige Begriffe austauschen, wie mir ein Musiker sagte. So ist Komposition vermutlich nicht der passende Begriff und sollte besser durch so etwas wie „Produkt“ oder „Musikstück“ ersetzt werden. Und vor die Präsentation setzen Musiker eine Übungsphase, um zu justieren und für die Aufführung vorbereitet zu sein. Somit würde aus diesem exemplarischen Unterrichtsablauf ein 9-Phasen-Modell. Für die Planung, Durchführung und Reflexion künftiger App-Musik-Unterrichtsstunden dürfte die aktuelle Version aber dennoch hilfreich sein.

Was wir zu Lehren, Lernen und Didaktik zusammen getragen haben, gebe ich an dieser Stelle nur stichpunktartig wieder:

Schüler*innen

Lernen in Stichwörtern:

eigenständig ∙ kreativ ∙ beobachtend ∙ führend ∙ wissbegierig ∙ neugierig ∙ unsicher ∙ talentiert ∙ motiviert ∙ interessiert ∙ konzentriert ∙ ideenreich

Lehrer*innen

Lehren in Stichwörtern:

passiv ∙ beobachtend ∙ interessiert ∙ lobend ∙ zuhörend ∙ vertrauensvoll ∙ gleichberechtigt ∙ anleitend ∙ moderierend ∙ zulassend ∙ motiviert ∙ motivierend ∙ wertschätzend ∙ respektvoll ∙ integrierend

Didaktik

Die Vorbereitung und Organisation von Lehren und Lernen, inkl. Infrastruktur in Stichwörtern:

vorausschauend ∙ technisch versiert ∙ Roten Faden gesponnen ∙ strukturiert ∙ Grundgerüst aufgestellt und Freiraum gelassen ∙ gut vorbereitet ∙ Equipment startbereit gehabt ∙ Lernziele gesteckt ∙ Unterrichtsablauf erstellt ∙ Anschluss an Curriculum hergestellt

Ressourcen

Informationen, Technologien und Lernprodukte in Stichwörtern:

Tablets ∙ Apps ∙ Musikinstrumente ∙ Alltagsgegenstände ∙ Geräusche

Erkenntnisse

Erkenntnisse hatten wir viele. Ist ja klar. Für die zusammenfassenden Folien habe ich mich für die folgenden entschieden:

  • Transparenz Klarheit Orientierung schaffen und bieten ∙ Lernprozesse und -ziele initiieren, fokussieren, moderieren
  • Lernen in Freiräumen vielfältig, selbstorganisiert, bunt, experimentell, spaßig, mobil, kollaborativ gestalten (lassen)
  • Der Präsentationsphase im Vorfeld mehr Zeit bei der Planung einräumen, klare Strukturen festlegen ∙ Körperhaltung und -ausrichtung

Diese Aspekte sind in meinen Augen wesentlich, um die Schüler*innen in offenen mobilen Lernsettings möglichst gut zu strukturieren und um ihre Handlungskompetenzen, ihre kulturellen Praktiken, ihr Wissen und ihre Interessen im Sinne des Lernziels zu fokussieren.

Tipps & tricks

Die tipps & tricks haben den Zweck, die Erkenntnisse, die Lehrer*innengruppe im Laufe des Reflexionsprozesses gewonnen hatte, in handhabbaren Handlungsoptionen abzubilden. Worauf kam es der Lehrer*innengruppe dabei besonders an? In erster Linie auf Möglichkeiten, den Schüler*innen während des Unterrichts Orientierung bieten. Entsprechend sind die tipps & tricks im Wesentlichen auf die Bereiche der Unterrichtsstunde bezogen, in denen bei den Schüler*innen Unklarheiten entstanden waren, in denen sie nicht wussten, dass sie angesprochen waren oder aktiv werden sollten oder in denen Gruppendynamiken drohten, die Lernaktivitäten zu dominieren. Sicher wäre es für die Schüler*innen auch schön gewesen, hätten sie am Ende der Stunde ihre Musikstücke oder Musikschnipsel mit nach Hause nehmen können:

Rollenverteilung der Lehrer*innen im Vorfeld klar strukturieren ∙ Ansprachen im Kreis vermeiden ∙ Gruppenaufteilung bedarfsorientiert gestalten und ggf. moderierend eingreifen ∙ Konkurrenzsituationen und Wettbewerbsdenken bei der Präsentation (und ggf. Kompositionsphase) zwischen Gruppen auflösen, Eigenheiten fördern, Schüler*innen verdeutlichen, dass jedes Werk für sich gut ist und nicht gegeneinander bewertbar ist ∙ Kompositionen nach Ende der Stunde den Schüler*innen verfügbar machen (als Datei oder in SoundCloud o.ä.)

Mache ich Mobiles Lernen? M-Learning-Sprechstunde!

Sicher! Oder? Du benutzt doch iPads, um mit Apps Musik zu machen. Also mal sehen …

Let's talk about 'M'. Die M-Learning-Sprechstunde. (Judith Seipold) Let’s talk about ‘M’. Die M-Learning-Sprechstunde. (Judith Seipold)

Die Sprechstunden der anwesenden Dozent*innen an Tag vier und fünf wurden eingerichtet, um die Praxisprojekte der Kursteilnehmer*innen zu begleiten, die sie in den kommenden Wochen konzipieren und als Abschlussprojekt umsetzen sollen. Also stand die Frage im Raum: Muss ich Mobiles Lernen machen? Oder mache ich schon Mobiles Lernen? Und wenn ja wie?

Per Definition (also per einer der vielen Definitionen, die es gibt; siehe Bild weiter unten) realisieren die Kursteilnehmer*innen in ihren Praxisprojekten Mobiles Lernen. Sie nutzen ja tragbare digitale Technologien für Lehren und Lernen. Punkt. Wichtig wäre jedoch aus meiner medienpädagogischen&handlungspraktischen&kulturtheoretischen Perspektive, dass nicht nur die Tragbarkeit der Geräte Mobiles Lernen definiert, sondern eben und gerade auch die Aktivitäten, die beim Lernen stattfinden, die Orte, an denen gelernt wird, die unterschiedlichen Lernformen, die Öffnung von Lernräumen, die Konnektivität zwischen Geräten. All das ist Teil Mobilen Lernens. All das wird durch die Nutzung von Mobiltechnologien zum Lernen möglich (einiges dazu hatte ich auch im Fazit meines Blogartikels über den letzten tAPP-Durchgang geschrieben).

Einige zentrale Definitionen Mobilen Lernens (Judith Seipold 2011). Einige zentrale Definitionen Mobilen Lernens (Judith Seipold 2011).

Das ist für M-Learning-Einsteiger manchmal nur schwer nachzuvollziehen (Aber zum Mobilen Lernen muss ich doch viel mehr mit Technik und Apps und so …!) und schwer genug umzusetzen (wieviel Freiraum kann und muss ich beim Mobilen Lernen lassen und wie handhabe ich das in der Praxis?). Und so möchte ich den Kursteilnehmer*innen sagen: Ihr habt bereits Mobiles Lernen umgesetzt. Schaut Euch einfach noch einmal die Beschreibung von Lehren, Lernen und Didaktik an, die wir in der Reflexion der Unterrichtsstunde erarbeitet haben (steht weiter oben und liegt in google drive) und führt Euch noch einmal vor Augen, wie vielfältig Mobiles Lernen ist, sein kann und sogar sein muss. Jetzt müsst Ihr nur noch dafür sorgen, dass das Lernen, das Ihr initiiert, „zeitgemäßes“ Lernen bleibt und im Idealfall auch nachhaltig ist – institutionell gesehen und auf die einzelnen Lerner*in bezogen. Dann wird alles gut …

Kann die nicht mal endlich …? Schluss jetzt!

Na gut. Die obligatorischen Worte zum Schluss. Die mit wichtigen Ratschlägen und tiefsinnigen Appellen und so. Los geht’s!

Judith’s Lament

Ich meckere ja gerne über Mobiles Lernen. Das ist bekannt. Meistens versuche ich aber, das stilistisch und inhaltlich doch noch produktiv abzuwenden. Aber meckern bleibt es trotzdem. Damit müsst Ihr leben:

Wird Mobiles Lernen so innovativ umgesetzt, wie es in der Theorie möglich wäre oder in best-practice-Projekten stattfindet? In der Tendenz nein (PimmerMateescu/Gröhbiel, Urs 2016). Denn: Mobiles Lernen findet nach wie vor vornehmlich in Form von zeitlich befristeten Projekten statt. Eine breite Implementierung in Lern-, Aus-, Weiter- und Bildungskontexte gibt es nicht. Fehlende institutionelle Unterstützung, mangelnde Erfahrungen, nicht vorhandene Finanzierungsmöglichkeiten, nicht hinreichender Techniksupport, fehlende Netzwerke, in denen sich Lehrpersonen über Fragen des Mobilen Lernens austauschen können, wenig kreative innovative Rollenverständnisse der am Lehr- und Lernprozess Beteiligten, kaum innovatives Verständnis von Lernen und fehlende adäquate didaktische Konzepte lassen Lehrpersonen an der Sinnhaftigkeit des Mobilen Lernens in der Praxis zweifeln. Sofern Mobiles Lernen dann doch stattfindet, fokussieren die meisten Einsatzszenarien die Distribution von Inhalten, behavioristisches oder instruktionistisches Lernen in Frontalunterrichtssettings, anstatt sich auf soziale Interaktion zwischen Lehrer*innen und Lerner*innen zu konzentrieren oder personalisiertes Lernen systematisch zu unterstützen. (Ebd.)

Dazu kommt, dass Mobiles Lernen oft nur unreflektiert umgesetzt wird und so Spannungsfelder und Brüche provoziert, statt die „seamless transition“, die nahtlosen Übergänge, beim Lernen zwischen unterschiedlichen Kontexten zu befördern. Vor allem wird das, was die Nutzung von Mobiltechnologien im Alltag ausmacht – also die Ausrichtung auf Konversation, Soziale Aktivitäten, Konsum, Unterhaltung – oft aus formalisiertem Lernen ausgeklammert. Dies geschieht zugunsten einer Technologiezentrierung. Sie überdeckt Leistungen, Können und Perspektiven der Lerner*innen auf Lernen mit Mobiltechnologien. Und nicht zuletzt ist Mobiles Lernen oft nicht nachhaltig konzipiert und läuft Gefahr, von der nächsten Technologiewelle überrollt zu werden.

Eigentlich ist Mobiles Lernen eher nicht so … (Judith Seipold 2015) Eigentlich ist Mobiles Lernen eher nicht so … (Judith Seipold 2015)

Und so kommt es, dass mir im Laufe der Jahre, in denen ich mich mit dem Thema Mobiles Lernen auseinandersetze – und das tue ich nun schon seit fast 10 Jahren – deutlich wird, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Zusatz „Mobil“ in der Argumentation überflüssiges Anhängsel von Lernen und in der Diskussion weniger dominant sein wird. Aus mehreren Gründen. Einer könnte sein, dass es in Zukunft immer selbstverständlicher werden wird, dass Technologien tragbar sind. Ein weiterer, dass es schon jetzt in der Diskussion qualitativ und quantitativ deutlich um aktuelle und zeitgemäße Formen von Lehren, Lernen und Didaktik geht.

Pow!

Mobile Learning rules! Spaß! Personalisierung! Integration! Nachhaltigkeit! Wow! Tragbare digitale Technologien sind in Lern- und Bildungskontexten Ermöglicher, die ihresgleichen suchen. Sie sind die killer technologies für personalisiertes und lernerzentriertes Lernen. Lernen und Bildung mit Mobiltechnoligen macht nicht nur Spaß, sondern:

Die Geräte eröffnen den Lerner*innen zeit- und ortsunabhängiges Lernen. So können Lerner*innen mit den Geräten unterschiedliche Lernorte verbinden, vor allem, weil der Zugriff auf und die Verteilung von Informationen durch die Verwendung von Mobiltechnologien ortsunabhängig wird. Das kann die Produktivität und Effizienz beim Lernen steigern. Dazu trägt auch bei, dass sich über die Geräte der Zugriff auf eine schier unendlich große Menge an Lernressourcen eröffnet.

Auch bezogen auf Lernpraktiken, Lernprozesse und Lernstrategien ermöglichen die Geräte Vieles. Mobiles Lernen kann situiert, kollaborativ, personalisiert, lernerzentriert, interaktiv, konversationsbasiert u.v.m. sein – sofern die Lehrer*in das zulässt und Mobiles Lernen nicht mit z.B. Frontalunterricht mit Notebooks verwechselt. Zentral ist auch die Reichweite, die die Mobiltechnologien schaffen: Lernschwache Schüler*innen können durch die Nutzung der Mobiltechnologien motiviert und in Lernprozesse einbezogen werden, denen sie bisher nicht sehr aufgeschlossen gegenüberstanden. Sehr große Erfolge erzielt Mobiles Lernen z.B. auch in Zusammenhang mit der Förderung benachteiligter Personen, Personengruppen und Regionen. Und aus meiner Sicht besonders relevant ist die Tatsache, dass Schule sich über die Geräte für den Alltag der Lerner*innen öffnen kann. Wem das noch nicht reicht, der möge bitte einen Blick auf das folgende Bild werfen.

Mobiles Lernen ist toll! (Judith Seipold 2015) Mobiles Lernen ist toll! (Judith Seipold 2015)

Und wen das immer noch nicht überzeugt: Lernen mit Mobiltechnologien muss nicht immer in erster Linie formalisiert, kontrolliert und instruiert sein – es darf sich subjektiv geprägt, ad-hoc und affektiv gestalten und sollte gerne mal subversiv, kreativ, situiert, partizipativ, multimodal, konversationsbasiert, spielerisch, ästhetisch, unkonventionell, progressiv, transformativ, diskursiv – einfach hochgradig personalisiert und subjektiv sinnstiftend sein. Und das ist es doch, was Lernen heute zu sein hat. Oder? Pow!

In 3’s

Trotzdem – oder gerade deshalb: Macht Euch bei Euren Projekten zunächst einmal über diese drei Punkte Gedanken, wenn ihr Mobiles Lernen durchführen und auch begründen möchtet:

  • Welche Arten von Mobilität werden in meinem Projekt durch den Einsatz von Mobiltechnologien gefördert? (Mobilität bei Bewegung, beim Lernen, bei Ideen, bei Konzepten … – siehe auch die Definitionen im Bild oben)
  • Was ist das Spezifische beim Musizieren mit iPads und Apps und warum kann ich für mein Projekt nur diese Technologien nutzen und keine anderen.
  • Welche Arten von Lehren und Lernen eröffnet mir der Einsatz von Mobiltechnologien, die über Frontalunterricht und Auswendiglernen im Klassenzimmer hinaus gehen?

Wenn Ihr Euch damit auseinandersetzt, seid Ihr auf dem besten Wege, Mobiles Lernen nicht nur im Sinne der Tragbarkeit der Technologien durchzuführen, sondern vor allem im Sinne von Lehren, Lernen und Didaktik. So tragt Ihr dazu bei, das Feld Mobiles Lernen noch bunter und vielfältiger zu gestalten und ihr steckt Rahmen für Mobiles Lernen ab, die Technik und Lerner*innen und Lehren und Lernen und Didaktik umfassen.

In diesem Sinne: Think mobile!

Referenzen

Pimmer, Christoph; Mateescu, M.; Gröhbiel, U. (2016): Mobile and ubiquitous learning in higher education settings. A systematic review of empirical studies. In: Computers in Human Behavior, Nr. 63, 490–501.

Seipold, Judith (2016b): Mobiles Lernen – was ist das? Mobiles Lernen für kulturelle Bildungsangebote verstehen, planen und kritisieren. (Invited Keynote.) Zertifikatskurs tAPP – Musik mit Apps in der Kulturellen Bildung, 12.-16. November 2016, Universität der Künste Berlin, Berlin.

Seipold, Judith (2016a): Mobiles Lernen verstehen, planen und kritisieren. Potenzial, Herausforderungen und Visionen für kulturelle Bildungsangebote. Online: http://musik-mit-apps.de/mobiles-lernen-verstehen-planen-und-kritisieren /// http://www.judith-seipold.de/2016/06/01/unter-app-musikern-mit-einem-kurs-zum-mobilen-lernen-in-der-kulturellen-bildung/

Seipold, Judith (2015): Mobiles Lernen. Praxis, Theorie und didaktische Optionen. (Invited Keynote). DAAD Lektoren-Jahresseminar “Mobilität – unterwegs in geographischen, virtuellen und fiktionalen Räumen”, 28. Mai 2015, La Bégude-de-Mazenc.

Seipold, Judith (2011): A critical perspective on mobile learning: Results of a heuristic analysis of the scientific process and a hermeneutic analysis of mobile learning practice. ‘Mobile learning: Crossing boundaries in convergent environments’ Conference, 21. März 2011, Bremen. Online: https://prezi.com/secure/3c7a728da1334e1ba2f4bab556133077ff86a0f6/. (Zuletzt geprüft: 30.03.2011).

Vortrag und Workshop auf dem DAAD Lektoren-Seminar

Vom 27.-31. Mai 2015 fand das jährliche Seminar der DAAD-Lektoren in Frankreich im schönen La Bégude-de-Mazenc nahe Montélimar statt. Eingeladen war ich, um einen der beiden Eröffnungsvorträge zu halten und einen Workshop zum Mobilen Lernen zu geben. Die Folien für Vortrag und Workshop finden sich auf Slideshare, eine Folie mit den Titeln der von den Teilnehmer_innen selbst geplanten Szenarien ist ebenfalls verfügbar.

 

* Foto aus dem Workshop der Kollegin Dr. Antje Dohrn

Eingeladen vom DAAD zur Lektor_innen-Fortbildung in Frankreich

Ende Mai werde ich auf Einladung des DAAD Paris in Montélimar, Südfrankreich für die in Frankreich tätigen DAAD-Lektorinnen und -Lektoren eine Keynote zur Theorie und Praxis des Mobilen Lernens halten und einen Workshop zum Mobilen Lernen anbieten. Details folgen.

Out now: MoLeaP – Die Mobile Learning Projektdatenbank. Eine OER zur Archivierung und Verbreitung von Mobile-Learning-Projekten und -Szenarien.

Gestern erschienen ist der Herausgeberband “Medien – Wissen – Bildung. Freie Bildungsmedien und Digitale Archive” als Tagungsband der gleichnamigen Veranstaltung, die als Herbsttagung der DGfE Sektion Medienpädagogik im Jahr 2013 an der Universität Innsbruck stattfand. In diesem Buch findet sich ein Beitrag von mir und Klaus Rummler zu MoLeaP – Die Mobile Learning Projektdatenbank. Buch und Text sind online kostenlos verfügbar.

Zusammenfassung:
Mitglieder der London Mobile Learning Group (LMLG; www.londonmobilelearning.net) hatten zum Ziel, Verteilungs- und Verbreitungsmechanismen zu etablieren, mithilfe derer über eine Website und eine angeschlossene Datenbank Ressourcen, Informationen und Leitfäden zu Projekten im Bereich des Mobilen Lernens zur Verfügung gestellt werden. “MoLeaP – Die Mobile Learning Projektdatenbank” (www.moleap.net) ist solch ein Mechanismus, der mit Struktur, Aufbau und Inhalten bestimmte Zielgruppen aus dem (Aus- und Weiter-)Bildungsbereich erreichen möchte. Als theoretischer und methodologischer Rahmen liegt MoLeaP die Soziokulturelle Ökologie Mobilen Lernens zugrunde, die von Mitgliedern der LMLG entwickelt wurde. In ihr werden Handlungskompetenzen, Strukturen und kulturelle Praktiken der LernerInnen berücksichtigt. Gleichzeitig bietet sie Kategorien für die formelle Beschreibung und die Analyse von Mobile Learning-Projekten.

Seipold, Judith; Rummler, Klaus (2014): MoLeaP – Die Mobile Learning Projektdatenbank. Eine OER zur Archivierung und Verbreitung von Mobile-Learning-Projekten und -Szenarien. In: Missomelius, Petra; Sützl, Wolfgang; Hug, Theo; Grell, Petra; Kammerl, Rudolf (Hrsg.): Medien – Wissen – Bildung. Freie Bildungsmedien und Digitale Archive. Innsbruck: innsbruck university press , S. 173-188.

Trau Dich! Lerne mobil!

Mobiles Lernen ist “noisy”, sagt John Traxler. Was soll man also Lehrer*innen mit auf den Weg geben, die erst am Anfang des Einsatzes von Mobiltechnologien im Unterricht stehen? Und wie kann man Neulingen im Bereich des Mobilen Lernens die Angst vor der Wucht von groß angelegten und erfolgreichen Vorzeigeprojekten nehmen? Ich habe beim mich Workshop “M-Learning von A-Z” bei der Education Group in Linz für Komplexitätsreduktion und in diesem Zuge für die folgenden Aspekte entschieden. Sie sind mit Blick auf das “geräuschvolle” Feld Mobile Learning defizitär, das bleibt nicht aus. Und sie sind stark durch meine alltagsnahe und kulturökologische Perspektive auf das Feld geprägt. Entsprechend fokussiere ich die Dimensionen Alltag und Schule, subjektives Handeln und objektive Anforderungen, räumliche Bewegung und zeitliche Nachhaltigkeit. Dabei distanziere ich mich von einer Technologiezentrierung – und in diesem Zusammenhang auch von einem Verständnis von Mobilem Lernen, das Mobiltechnologien im Unterricht verankert, allerdings jedweden Aspekt von Bewegung vermissen lässt.

Mobile Learning kurz und knapp (Seipold 2014) Mobile Learning kurz und knapp (Seipold 2014)

Lernräume eröffnen
Mobiles Lernen lebt von den vielfältigen Optionen des Lernens unabhängig von Zeit und Ort, von den Handlungskompetenzen, die die Lerner*innen im alltäglichen Umgang mit den Mobiltechnologien ausgebildet haben, von den Ressourcen, die durch den Zugriff auf das Internet und andere Räume unseres Alltags zur Verfügung stehen. All das kann Einzug finden in schulisches Lernen, und zwar nicht nur, indem Schule den Alltag der Schüler*innen mit schulischem Lernen spickt, sondern indem Lehrer*innen im Unterricht zulassen, was den Schüler*innen in ihrem Alltag in Zusammenhang mit Lernen (nur nennt man es außerhalb von Schule eher Aneignung und die geschieht in Zusammenhang mit Hobby, Interesse oder Fantum) gelingt. Das wäre eine Dimension des Eröffnens von Lernräumen. Lernräume sind aber auch als Konstrukte zu verstehen, die situativ hergestellt werden, analog oder digital, mit den Mitteln und Möglichkeiten, die im Moment verfügbar sind. Aus einer Idee oder einem Interesse oder dem Bedürfnis nach Konversation oder aus welcher Motivation auch immer heraus. Mit Blick auf die Britische M-Learning-Diskussion würde man solche spontan hergestellten, vergänglichen und oft auch nicht reproduzierbaren Lernräume “Learner generated Contexts”, also Lernergenerierte Contexte (Luckin 2010) nennen.

Mobil sein heißt in Bewegung sein
Im Internet kursieren Bilder von Notebook- und iPadklassen, auf denen Schüler*innen zu sehen sind, die mit Notebooks an ihren Schulbänken sitzen, dem oder der frontal unterrichtenden Lehrer*in zugewandt. Ist das wirklich Mobiles Lernen? Gehört zum Mobilen Lernen nicht auch ein gewisses Maß an räumlicher Mobilität? Wer die Diskussion zum Mobilen Lernen kennt, weiß: auch die Mobilität von Kontexten und Konzepten legitimiert die Verwendung des Präfix “mobil”, insofern sind die Fragen als rhetorische zu betrachten. Dennoch: Unterricht im Feld, mit echtem Alltagsbezug, mit Kontakt zu und Gesprächen mit “relevanten Anderen”, Experten und “more able partners” (siehe z.B. Luckin 2010) im Lernprozess, mit der Möglichkeit, in Interaktion mit dem Lerngegenstand zu treten, in der Stadt Eindrücke zu sammeln, die an den Unterricht rückgebunden werden sind als Möglichkeiten und Chancen aufzufassen, die durch die Mobiltechnologien eröffnet werden. Das geschieht jedoch nur, wenn man sich an das heranwagt, was Mobiltechnologien in der Alltagsnutzung eigentlich ausmachen, nämlich das Sammeln, Kommunizieren, Posten, Bewerten, Netzwerken, Produzieren, Rezipieren, Unterhalten, Konsumieren, räumliche Flexibilität, subjektiv geprägte, intuitive und affektive Nutzung der Geräte.

Schüler*innen als Experten anerkennen
Lenkt man seinen Blick auf den Alltag der Schüler*innen, wird man sehen, dass sie während ihrer Freizeit lernen, sich Wissen aneignen, Expertise in bestimmten Bereichen entwickeln, Kompetenzen ausbauen. Sie tun dies vermutlich vornehmlich in Zusammenhang mit ihrer Alltagsorganisation, ihren Hobbys und ihrem Fan-sein – oder aus einfachem Interesse heraus. Solche Ausprägungen von alltagsgeprägtem und informellem Lernen können in kleinen Einheiten in den Unterricht integriert werden, indem man “Kommunikationsbrücken”/”Konversationsanlässe”/”conversational threads” baut/schafft/aufgreift (Bachmair 2010; Seipold et al. 2010; Pachler 2010). Das funktioniert, indem man Schüler*innen z.B. mit selbst gewählten Mitteln, Medien und Modi Präsentationen (nicht zwingend Folien, auch Plakate, Prezis, Fotostories, Filme, Podcasts, Videos, online storytelling, …) erstellen lässt, sie als Fachmänner und -frauen zu Diskussionen in Expertenrunden auffordert, sie per peer teaching Informationen austauschen lässt. So werden Schüler*innen motiviert, zu verbalisieren, zu lesen, zu schreiben, zu reflektieren, Informationen aufzubereiten und weiterzugeben. Der Fantasie und den Möglichkeiten der digitalen Medien sind dabei wenige Grenze gesetzt, und die Schüler*innen dürften mit vielen der Möglichkeiten durch ihr alltägliche Mediennutzung mit ihnen vertraut sein.

An den Alltag der Schüler*innen anknüpfen
An den Alltag der Schüler*innen anzuknüpfen bedeutet, dies auf mehreren Ebenen zu tun: Schon die Verwendung von Mobiltechnologien im Unterricht ist der erste Schritt, erst recht, wenn die Geräte die der Schüler*innen sind. Sind die Geräte erst einmal im Klassenzimmer in Gebrauch, wird schnell deutlich, in welchen Bereichen außerdem die Anknüpfung an der Alltag der Lerner*innen geschehen kann. Hier sind die Apps oder Programme zu nennen, die Zugriff auf bestimmte Funktionen, soziale Netzwerke oder Inhalte erlauben. Fotos von der letzten Party, der Schwester, den Freund*innen, Musik auf dem Gerät und in der Cloud, “trending videos” auf Youtube und Fotos auf Instagram, Kommentare zu einer Statusmeldung auf Facebook von Bekannten – all das und noch viel mehr ist als Ressource verfügbar, auf die jedenfalls im Alltag zugegriffen wird (und in der Schule teils ebenfalls zugegriffen werden könnte). Die Handhabung dieser Funktionen geschieht mittels der Handlungskompetenzen der Schüler*innen. Sie sind von Schüler*in zu Schüler*in unterschiedlich ausgeprägt, abhängig von Verfügbarkeit und daran angebundene Möglichkeiten (Habe ich bestimmte Technologien verfügbar? Kann ich entsprechend auf bestimmte Funktionen und Inhalte zugreifen und meine Handlungskompetenzen entsprechend ausbauen?). Es geht also bei der Anbindung an den Alltag der Schüler*innen um die Geräte und ihre Funktionen, aber auch um Inhalte, die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen, um Wissen, das um diese Inhalte und Fähigkeiten herum ausgebildet wurde.

Informelles Lernen erwünscht
Kommen Mobiltechnologien ins Spiel, wäre es schade, in der Schule die Spontaneität und Affektivität, die typisch für die Alltagsnutzung sind, auszuklammern und die Nutzung der Mobiltechnologien in möglicherweise geradlinige Strukturen zu zwängen. Wenn es lediglich darum geht, mit den mobilen Geräten Fotos zu machen – warum verwende ich dann nicht einfach Digitalkameras? Wenn ich die Geräte benutze, um via App Zugriff auf eine Formelsammlung zu bekommen – warum nutze ich dann nicht das Heft mit der Formelsammlung? Mobiles Lernen hat viel mit Kommunikation und Austausch zu tun, damit, sich zur Bewertung zu stellen und andere zu bewerten, spontan Informationen zu recherchieren und sie direkt anzuwenden oder mit anderen zu teilen. So funktioniert das oft intuitiv und “informell” im Alltag und die dazugehörigen Handlungsstrategien sind aus Sicht der Schüler*innen mit Blick auf die zu erreichenden Ziele legitim und auch optimiert. Vor diesem Hintergrund stellt sich also die Frage, an welcher Stelle genau sich “informell” und “formell” voneinander abgrenzen und warum nicht auch das alltagsnahe Lernen, die alltägliche Aneignung von Informationen und Wissen – was sich oft als stark formalisiert (weil optimiert) präsentiert – nicht auch als schulisches Lernen in Frage kommen sollte.

Gruppenarbeit unterstützen
Oft steht die Frage im Raum, wie man als Lehrer*in damit umgehen soll, wenn einige Schüler*innen keine Smartphones oder Tablets haben oder sich mit alten Handys behelfen müssen, während andere Schüler*innen die aktuellste Technologie verfügbar haben. Die Antwort ist Gruppenarbeit oder peer teaching oder kollaboratives Lernen oder wie auch immer man diese Form des gemeinsamen Lernens nennen möchte. Vorteil dabei ist, dass im Idealfall nicht nur ein Austausch mit Blick auf die technische Handhabung der Geräte stattfindet, sondern tatsächlich auch das gemeinsame Aushandeln von Inhalten und Ressourcen, die für die Bearbeitung der Aufgabenstellung in Frage kommen, das Aushandeln von Strategien zur gemeinsamen Bearbeitung der Aufgabenstellung und das Aushandeln der Arbeitsaufteilung bei der Präsentation der Ergebnisse. Dabei steht dieses Vorgehen nicht nur unter dem Vorzeichen von Effizienz, sondern hat nebenbei auch den Effekt, dass Schüler*innen sich über Sinn und Unsinn bestimmter Lernstrategien, präferierten Modi, Sozialformen und die Relevanz von Informationen und Informationsquellen für Lernen auseinandersetzen und dabei gegebenenfalls sich den Perspektiven der Mitschüler*innen gegenüber öffnen.

Kleinschrittig denken
Nach wie vor Angst vor dem Einsatz von Mobiltechnologien? Denken Sie kleinschrittig! Es sind nicht die groß angelegten Projekte, mit viel Geld gefördert und mit der neuesten Mobiltechnologie unterstützt, die als “best practice” gelten müssen. Es reicht aus, in kleinen Einheiten oder “Szenarien” zu denken und sich z.B. zu überlegen, wie zum Thema Frühlingsblumen ein e-Book entstehen kann, wie Schüler*innen sich mit mathematischen Formen in ihrem Alltag auseinandersetzen oder unter Einsatz welcher Technologien Schüler*innen in ihrem Alltag lesen und schreiben. Auch das ist Mobiles Lernen, das durch seine Alltagsanbindung vermutlich nachhaltiger ist als große Vorzeigeprojekte.

Du hast tragbare Technologien – aber bist du schon mobil?
Und letztlich steht noch der Hinweis aus, dass Mobiles Lernen durchaus den Anspruch haben sollte, die Möglichkeiten zu nutzen, die “Mobil”Technologien bieten. Also kommunizieren, organisieren, sich bewegen, recherchieren, lesen, schreiben, netzwerken, planen, veröffentlichen, filmen, fotografieren, bewerten, kopieren, löschen, eintragen, austragen, zum passenden Zeitpunkt einschalten und auch ab und zu einmal ausschalten …

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Referenzen

Bachmair, Ben (2010a): Einleitung: Medien und Bildung im dramatischen kulturellen Wandel. In: Bachmair, Ben (Hrsg.): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften , S. 9-30.

Luckin, Rosemary (2010): Re-designing learning contexts. Technology-rich, learner-centred ecologies, New York: Routledge.

Pachler, Norbert (2010): The Socio-Cultural Ecological Approach to Mobile Learning: An Overview. In: Bachmair, Ben (Hrsg.): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften , S. 153-167.

Seipold, Judith (2012): Mobiles Lernen. Analyse des Wissenschaftsprozesses der britischen und deutschsprachigen medienpädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Mobile Learning-Diskussion, Kassel: Universität Kassel.

Seipold, Judith (2014): Mobiles Lernen. Grundlagen, Kontexte und didaktische Optionen. (Invited Keynote). 3. DaFWEBKON 2014, 15. März 2014, Online. Abstract | Slides | Video

Seipold, Judith; Rummler, Klaus; Rasche, Julia (2010): Medienbildung im Spannungsfeld alltäglicher Handlungsmuster und Unterrichtsstrukturen. In: Bachmair, Ben (Hrsg.): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften , S. 227-241.

 

We don’t have problems, we are challenged. Reflexion zu selbst erstellten M-Learning-Szenarien.

Am Ende des Workshops “M-Learning von A-Z” bei der Education Group in Linz haben die Teilnehmer von ihren Erfahrungen bei der Planung und Durchführung ihrer M-Learning-Szenarien berichtet. Die folgenden Stichpunkte habe ich aus der Diskussion gezogen:

Reflexion Umsetzung M-Learning-Szenarien (Seipold 2014) Reflexion Umsetzung M-Learning-Szenarien (Seipold 2014)

Positiv: kontextbezogenes, alltagsnahes und personalisiertes Lernen
Lernen an der frischen Luft und Kontakt zu Passanten bei einer Umfrage oder bei der Erstellung eines E-Books über Frühlingsblumen sind Aspekte, die vermutlich deshalb an erster Stelle stehen, da sie wohl die ersten und einprägsamsten Eindrücke in einer – für schulisches Lernen – eher ungewöhnlichen Lernumgebung sind.
Das multimodale Arbeiten mit Bild, Ton und Text ist z.B. mit den Tablets eine kleine Herausforderung für wenig erfahrene Tabletnutzer, geht Nutzern mit Erfahrung aber intuitiv und gut von der Hand.
Spannend ist, den direkten Bezug zu den Lernobjekten zu haben und sich dabei in alltagsnahen Kontexten zu bewegen, die den Lernraum Klassenzimmer um Ressourcen und Handlungskompetenzen erweitern. Dabei können die einzelnen Schüler*innen sich ihren persönlichen Lernkontext gestalten, wie sie wollen und können. Schule kann sich bei derart gestaltetem Lernen dem (Lern-)Alltag der Schüler*innen zuwenden und sich ihm öffnen.

Negativ: Infrastruktur, Kosten und Zeitaufwand
Von den Teilnehmer*innen als negativ eingeordnete Aspekte beziehen sich auf Technik, Infrastruktur und Planungsaufwand. Besonders hinderlich beim Arbeiten an einem warmen und hellen Frühlingstag im Freien ist der Lichteinfall. Auf einigen Geräten war teils nichts zu sehen, also musste an einen Schattenplatz ausgewichen werden.
Internetzugang wäre an einigen Stellen wünschenswert gewesen, für die Bearbeitung der Aufgabe aber nicht zwingend notwendig, da mit Apps gearbeitet wurde, die nicht auf Internetanbindung angewiesen sind.
Sofern die Schüler*innen keine Technologie verfügbar haben, oder sofern wegen dem Wunsch nach Kompatibilität gleiche Geräte angeschafft werden sollen, steht natürlich die Kosten- und Finanzierungsfrage im Raum. Neben der Anschaffung sind auch Wartungs- und andere Folgekosten in die Kalkulation aufzunehmen.
Ebenfalls als negativ bewerteten die Teilnehmer den hohen Zeitaufwand bei der Planung der Projekte – der aber mit zunehmender Erfahrung und Routine abnehmen dürfte – und vor allem bei der Suche nach Apps, die für das aktuelle Einsatzszenarium geeignet ist.

Herausforderung: Hard- und Software, Nachhaltigkeit und Komplexitätslevel
Die Suche nach Apps kann nicht nur zeitaufwendig sein, es bestehen durchaus auch Unsicherheiten darüber, wo Edu-Apps zu finden sind und ob es zu kostenpflichtigen Apps möglicherweise auch kostenlose Alternativen gibt.
Auch wurde deutliche, dass nicht alle Geräte für jede Art des Einsatzes geeignet sind. Einige der Teilnehmer*innen hätten sich größere (Tablets oder Notebooks), andere kleinere (Smartphones) Geräte für ihre spezifische Aufgabe gewünscht.
Die Frage nach der nachhaltigen Bereitstellung der gesammelten Informationen/Produkte/Szenarien blieb bei den meisten der Teilnehmer*innen bei Planung und Durchführung unbeantwortet. (Automatisierte) Datenspeicherung auf Plattformen und in der Cloud wäre wünschenswert gewesen und hätte den Teilnehmer*innen teils Nachbearbeitung erspart, wurde aber teils wegen mangelnder Erfahrung, teils wegen fehlenden Internetzugangs im Feld nicht realisiert.
Das Vorhaben, künftige Szenarien in Planung und Durchführung möglichst einfach zu halten, ist auch dem Umstand zu zollen, dass der Vorbereitungsaufwand von einigen Teilnehmern als sehr hoch angesehen wurde.
Auch wurde der Vorschlag gemacht, für den Notfall – Geräten geht der Strom aus, Geräte gehen kaputt, Nutzung von Mobiltechnologien ist nicht erlaubt, … – Zettel und Stift mitzunehmen und analog weiter zu arbeiten.

Vorlage für die Planung von Mobile Learning-Szenarien

Auf dem Workshop “M-Learning von A-Z“, der unter meiner Leitung am 21. und 22. März 2014 bei der Education Group in Linz stattfand und an dem ca. 15 Lehrerinnen und Lehrer aus Österreich teilnahmen, haben wir einen Großteil der Zeit mit der Planung von Mobile Learning-Szenarien verbracht. Eine der zentralen Fragen der Teilnehmer*innen war natürlich, wie man Mobiles Lernen konzipiert und umsetzt. Die Teilnehmer*innen hatten teils profunde Vorkenntnisse, teils kamen sie als Neulinge zum Workshop.

Um nun mehrere Schularten, Schulstufen und Fächerausrichtungen zu bedienen, bedarf es einer Planungsvorlage, die allgemein gehalten ist und einfachen Zugang zu der Nutzung von Mobiltechnologien erlaubt. Sie kann also nicht auf die jeweiligen Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer dieser gemischten Gruppe zugeschnitten sein. Entsprechend habe ich das folgende Grundmuster als Anregung zur Planung von Szenarien zur Verfügung gestellt:

  1. Curriculum
    1. Schulart
    2. Schulstufe
    3. Fächerbezug
  2. Aufgabenstellung

  3. Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Mobiltechnologie (Hard- und Software)
    1. Welche Funktionen können genutzt werden?
    2. Gibt es evtl. Apps?
  4. Alltagsmediennutzung / Handlungskompetenzen / Lern- und Aneignungsformen, die in Zusammenhang mit der Nutzung der Mobilfunktionen stehen; Handlungsoptionen

  5. Nachhaltigkeit; gemeinsame Informationsbasis; Aushandeln von Bedeutungen / Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis / Lernen
    1. Plattform, Cloud

In der grafischen Darstellung wird deutlich, welche Rolle Mobiltechnologien im didaktischen Konzept spielen und welche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Planungspunkten bestehen.

Planung von M-Learning-Szenarien (Seipold 2014) Planung von M-Learning-Szenarien (Seipold 2014)

Der Einsatz der Mobiltechnologien sollte unter drei Voraussetzungen stattfinden: Erstens sollten die Geräte verwendet werden, die verfügbar sind (“bottom-up”). Zweitens sollten die Technologien nur dann eingesetzt werden, wenn es als sinnvoll erachtet wird (“bedarfsorientiert”). Drittens sollte das Mobile Lernen außerhalb des Klassenzimmers stattfinden, in unserem Fall in der Linzer Innenstadt (“mobil”).
Die curricularen Anforderungen (1) sowie Lernziel und Aufgabenstellung entsprechend Lehrplan (2) kommen zunächst ohne Mobiltechnologien aus. Die Geräte und ihre Funktionen (3) werden erst an der Stelle relevant, an der die Schüler*innen sie bei der Erfüllung des Lernziels einsetzen können. An die Nutzung von Geräten und Funktionen, die in unserem Fall entsprechend eines bottom-up-Ansatzes die der Lerner*innen sind,  sind vor dem Hintergrund des alltäglichen Medienhandelns auch bestimmte Aneignungsformen und die Nutzung bestimmter Ressourcen gebunden (4). Ebenso in direktem Zusammenhang mit der Nutzung der Mobiltechnologien steht die Nachhaltigkeitsstrategie beim Verfügbarmachen einer gemeinsamen Informationsbasis (5), auf deren Grundlage die Schüler*innen (gleichberechtigt) gemeinsam lernen und Bedeutungen aushandeln können. Die Nachhaltigkeit ist hier eher als infrastruktureller Aspekt zu betrachten (Plattform, Cloud, Lokale Speicher, P2P, …). An ihr müssten sich allerdings ggf. Handlungsstrategien der Schüler*innen (4) ausrichten.

Diese einfache Planungsvorlage eignet sich nach Aussagen der Workshop-Teilnehmer*innen gut, um schnell Unterrichtsszenarien mit Mobiltechnologien zu planen – auch Neulinge auf dem Gebiet können damit arbeiten. Herausforderung jedoch bedeutete zum einen die Frage nach der Nachhaltigkeitsstrategie beim Mobilen Lernen. Hier wurden sowohl bei der Planung als auch während der Umsetzung Speicherlösungen nicht unmittelbar eingebunden. Vielmehr haben die Teilnehmer*innen nach Beendigung des Feldversuchs ihre Ergebnisse auf Blogs gepostet und somit längerfristig verfügbar gemacht. Zum anderen war es teils sehr zeitaufwendig, Apps zu recherchiere, die bestimmte Funktionen zur Verfügung stellen.

Workshop “M-Learning von A-Z”

Workshop bei der Education Group Linz im Rahmen des EU-geförderten MEDEAnet-Projekts.

Workshop Judith Seipold
M-Learning von A-Z

Zeit: 21.-22. März 2014.
Ort: Education Group Linz

About:
Mobiltechnologien wurden ursprünglich für Aktivitäten entwickelt, die in Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten stehen: Unterhaltung, Konsum, Kommunikation, Vernetzung. Von Lernen ist dabei zunächst nicht die Rede. Dennoch wird im Workshop den Alltag der Mediennutzer und die Mediennutzung im Alltag als Ausgangspunkt genommen, um mobiles Lernen in schulischen Kontexten zu verstehen und zu planen. Zu Beginn des Workshops werden Grundlagen des Mobilen Lernens sowie die Alltagsmediennutzung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen untersucht. Von dieser Basis ausgehend wird die Planung eines M-Learning-Projekts realisiert: Die Teilnehmer konzipieren in Gruppenarbeit Projekte mit Alltagsbezug, die im Unterricht Anwendung finden sollen. Um die Praxistauglichkeit der Konzepte zu überprüfen, werden einige Stunden in der Linzer Innenstadt verbracht und mit eigenen und zur Verfügung gestellten mobilen Endgeräten Aspekte wie z.B. Netzabdeckung, Handhabung von Mobiltechnologien “on-the-go” oder mobiles personalisiertes und kollaboratives Lernen im Feld beleuchtet und praktisch erprobt. Den Abschluss des Workshops bilden die gemeinsame Aufbereitung der Projektkonzepte in einem Weblog und die multimediale Präsentation durch die Arbeitsgruppen.

URL Programm: http://www.edugroup.at/bildung/news/detail/workshop-m-learning-von-a-z.html

Foliensatz “Input”
Foliensatz “Recherche”
Foliensatz “Planung”

Network for Mobile Learning Scenarios

Ende 2012 haben Norbert Pachler, Ben Bachmair und John Cook als Mitglieder der London Mobile Learning Group (LMLG; www.londonmobilelearning.net) zur Mitarbeit am neu gegründeten “Network for Mobile Learning Scenarios” aufgerufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe innerhalb der LMLG ist es, kleinschrittig planbare Einheiten zum Mobilen Lernen zur Verfügung zu stellen. Diese Mobile Learning-Szenarios sind gedacht, um von Lehrerinnen und Lehrern aller Schularten und Schulstufen zur Planung und Umsetzung von alltagsnahem Mobilem Lernen genutzt zu werden. Die Szenarios sind als Lerneinheiten und Modulbausteine innerhalb umfassend angelegter M-Learning-Projekte zu verstehen und folgen einem Leitfaden. Durch die Vereinheitlichung, die durch die Arbeit mit dem Leitfaden entsteht, ist die Replizierbarkeit, Übertragbarkeit und Skalierbarkeit von M-Learning-Praxis adressiert, die oft auch Hinderungsgrund für die Adaption von (best) practice ist.

Nach nunmehr einem Jahr Arbeit des Netzwerks, das in “hubs” organisiert ist und Mitglieder in Großbritannien, Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien hat, zeichnen sich erste Ergebnisse ab. So stehen mittlerweile drei Vorlagen für die Planung und Analyse von Mobile Learning-Szenarien zur Verfügung, die gerade in der Testphase auf ihre Handhabbarkeit in der Praxis hin überprüft werden und entsprechend noch nicht öffentlich verfügbar sind.

Für einen ersten Überblick über Ziele, Arbeitsweise und Mitglieder des Networks dient das folgende – im Prozess der Bearbeitung begriffene – Grundlagenpapier. Es ist bislang lediglich an dieser Stelle veröffentlicht. Updates zu Arbeitsergebnissen und Grundlagenpapier werden, sobald verfügbar, hier gepostet.

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Mobiles Lernen – Systematik, Theorien und Praxis eines noch jungen Forschungsfeldes

Vor Kurzem erschienen ist der Sammelband “Mobile Learning. Potenziale, Einsatzszenarien und Perspektiven des Lernens mit mobilen Endgeräten”, herausgegeben von Claudia de Witt und Almut Sieber. Darin bin ich mit dem Beitrag “Mobiles Lernen – Systematik, Theorien und Praxis eines noch jungen Forschungsfeldes” vertreten. Das Buch wird geführt unter ISBN: 978-3-531-19483-7 (Print) und 978-3-531-19484-4 (Online) und ist online verfügbar unter http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-19484-4.

Hier das Abstract meines Artikels:
“Als noch junges Forschungsfeld – Mobiles Lernen liegt erst seit etwas mehr als zehn Jahren im Fokus der medienpädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Forschung – gewinnt das Mobile Lernen erst allmählich an Kontur. Eine Analyse des bisherigen vornehmlich britischen Wissenschaftsprozesses des Mobilen Lernens eröffnet den Blick auf die Systematik der medienpädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Mobile Learning-Diskussion, ihre Kontexte, Bezugspunkte, Perspektiven und konzeptionellen Schwerpunkte, aber auch auf Erfolge und Problembereiche in der praktischen Umsetzung des Lernens mit Mobiltechnologien in formalisierten Lernkontexten wie dem des Schulunterrichts.”

Seipold, Judith (2013): Mobiles Lernen – Systematik, Theorien und Praxis eines noch jungen Forschungsfeldes. In: de Witt, Claudia; Sieber, Almut (Hrsg.): Mobile Learning – Potenziale, Einsatzszenarien und Perspktiven des Lernens mit mobilen Endgeräten. Springer VS, Wiesbaden, S. 27-54.

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