Workshop “Potenziale des Mobilen Lernens am Beispiel des Lehrinnovationsprojektes “Soziologie 2 Go””

Am 1. Juli war ich auf Einladung der Projektgruppe “Soziologie to go – Lernen mit dem Smartphone” (Leitung: Prof. Heike Greschke; Förderung: BMBF und Lehrinnovationsfonds JLU) an der Justus-Liebig-Universität Gießen. In den Räumen des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) fand zunächst u.a. meine Keynote “Mobiles Lernen in Theorie und Praxis. Grundideen, Potenziale und Risiken des Lehrens und Lernens mit mobilen und konvergenten Technologien.” statt. Am Mittag ging es dann in die Workshop-Phase. Begonnen haben wir mit der Erkundung von Mobilen Lernorten mithilfe der ILIAS-Lernorte-App (durchgeführt durch das HRZ der JLU), gefolgt von einer von mir geleiteten Planungs- und Revisionsphase von M-Learning-Projekten, darunter auch die “Soziologie 2 Go”-Lehrpfade. Bei Planung und Revision haben wir uns grob an den folgenden Themenkomplexen orientiert:

  • Mobiles Lehren und Lernen wagen. Erprobte Szenarien adaptieren, von den Lernern lernen und didaktische Konzepte variieren.
  • Mobiles Lernen variabel designen. Flexible und konvergente Personalisierungsmöglichkeiten schaffen.
  • Mobiles Lernen nachhaltig verstetigen. Technologische, institutionelle und lernerzentrierte Nachhaltigkeit herstellen.

Als Planungshilfe haben wir mit meiner Planungsvorlage für M-Learning in formalisierten Lehr-Lernkontexten gearbeitet.

Die Vortragsfolien sind auf Slideshare verfügbar. Der Blogpost zur Planungsvorlage findet sich hier.

 

Mobiles Lernen einfach planen. Eine Vorlage für M-Learning in Schule, Hochschule, Aus- und Weiterbildung.

In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder an Vorlagen zur Beschreibung von M-Learning-Projekten und M-Learning-Szenarien gearbeitet:
Mit “MoLeaP – Die Mobile Learning Projektdatenbank” (moleap.net) war es mein Ziel, eine Ressource verfügbar zu machen, in die Lehrende, Forschende und andere im Bildungsbereich Tätige ihre M-Learning-Projekte systematisiert eingeben, sie so zitierbar machen und auch Projekte mit Blick auf verschiedene Aus- und Weiterbildungsbereiche suchen und durchsuchen.
Mit Templates zur M-Learning-Planung und Analyse von M-Learning-Szenarien (hier und hier zu finden) haben wir auf die Komplexität von MoLeaP reagiert und M-Learning-Praxis kleinschrittiger verfügbar gemacht: Anstatt in Dimensionen von groß und langfristig angelegten Projekten zu denken, haben wir mit Szenarien die M-Learning-Realität in den Klassenzimmern aufgegriffen und Dimensionen zusammengestellt, mithilfe derer Lehrende ihre Mobilen Lerneinheiten schnell und unkompliziert abbilden und beschreiben können. In ihrer ausführlichen Variante sind diese Szenarios-Templates in dem “Mobile Learning Scenarios Weblog” (scenarios.londonmobilelearning.net) online nutzbar (dazugehöriger Blogpost). Aus der Workshop-Praxis heraus ist zuvor diese einfache Anleitung zur Umsetzung entstanden.

Nun habe ich eine Vorlage für die Veröffentlichung erstellt, mithilfe derer Lehrende in unterschiedlichen Aus- und Weiterbildungskontexten einfach Mobiles Lernen planen können. Die Vorlage bietet keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern beinhaltet Aspekte, die aus meiner Sicht und Erfahrung heraus bei der Planung von kleinen und größer angelegten Projekten und Szenarien zu bedenken sind. Den Schwerpunkt habe ich dabei auf die Dimensionen “Personalisiertes Lernen” und “Nachhaltigkeit und Verstetigung” gelegt. Warum? Zum einen: Eine der zentralen Qualitäten des Mobilen Lernens ist die Möglichkeit, auf Wissensstand, Bedürfnisse, Können und Perspektiven der Lernenden einzugehen und so Lernen individuell zu unterstützen. Zum anderen: Häufig fehlt es an Konzepten, wie Mobiles Lernen langfristig in Institutionen, Lernräume und Lernwelten eingebunden werden kann; ohne Verstetigungsstrategien kommt Mobiles Lernen allerdings nicht über den Trial-Status hinaus. Daneben beinhaltet die Vorlage natürlich auch formelle Aspekte wie z.B. Ausbildungskontext, Curriculare Anbindung, Bereiche relevant für die Mobile Didaktik, Faktoren, die die institutionellen Rahmenbedingungen auskleiden und Anregungen für die Reflexion.

Lizensiert ist die Vorlage unter Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0).

Viel Spaß beim Planen und Umsetzen von Mobilem Lernen!

Vortrag und Workshop auf dem DAAD Lektoren-Seminar

Vom 27.-31. Mai 2015 fand das jährliche Seminar der DAAD-Lektoren in Frankreich im schönen La Bégude-de-Mazenc nahe Montélimar statt. Eingeladen war ich, um einen der beiden Eröffnungsvorträge zu halten und einen Workshop zum Mobilen Lernen zu geben. Die Folien für Vortrag und Workshop finden sich auf Slideshare, eine Folie mit den Titeln der von den Teilnehmer_innen selbst geplanten Szenarien ist ebenfalls verfügbar.

 

* Foto aus dem Workshop der Kollegin Dr. Antje Dohrn

Trau Dich! Lerne mobil!

Mobiles Lernen ist “noisy”, sagt John Traxler. Was soll man also Lehrer*innen mit auf den Weg geben, die erst am Anfang des Einsatzes von Mobiltechnologien im Unterricht stehen? Und wie kann man Neulingen im Bereich des Mobilen Lernens die Angst vor der Wucht von groß angelegten und erfolgreichen Vorzeigeprojekten nehmen? Ich habe beim mich Workshop “M-Learning von A-Z” bei der Education Group in Linz für Komplexitätsreduktion und in diesem Zuge für die folgenden Aspekte entschieden. Sie sind mit Blick auf das “geräuschvolle” Feld Mobile Learning defizitär, das bleibt nicht aus. Und sie sind stark durch meine alltagsnahe und kulturökologische Perspektive auf das Feld geprägt. Entsprechend fokussiere ich die Dimensionen Alltag und Schule, subjektives Handeln und objektive Anforderungen, räumliche Bewegung und zeitliche Nachhaltigkeit. Dabei distanziere ich mich von einer Technologiezentrierung – und in diesem Zusammenhang auch von einem Verständnis von Mobilem Lernen, das Mobiltechnologien im Unterricht verankert, allerdings jedweden Aspekt von Bewegung vermissen lässt.

Mobile Learning kurz und knapp (Seipold 2014) Mobile Learning kurz und knapp (Seipold 2014)

Lernräume eröffnen
Mobiles Lernen lebt von den vielfältigen Optionen des Lernens unabhängig von Zeit und Ort, von den Handlungskompetenzen, die die Lerner*innen im alltäglichen Umgang mit den Mobiltechnologien ausgebildet haben, von den Ressourcen, die durch den Zugriff auf das Internet und andere Räume unseres Alltags zur Verfügung stehen. All das kann Einzug finden in schulisches Lernen, und zwar nicht nur, indem Schule den Alltag der Schüler*innen mit schulischem Lernen spickt, sondern indem Lehrer*innen im Unterricht zulassen, was den Schüler*innen in ihrem Alltag in Zusammenhang mit Lernen (nur nennt man es außerhalb von Schule eher Aneignung und die geschieht in Zusammenhang mit Hobby, Interesse oder Fantum) gelingt. Das wäre eine Dimension des Eröffnens von Lernräumen. Lernräume sind aber auch als Konstrukte zu verstehen, die situativ hergestellt werden, analog oder digital, mit den Mitteln und Möglichkeiten, die im Moment verfügbar sind. Aus einer Idee oder einem Interesse oder dem Bedürfnis nach Konversation oder aus welcher Motivation auch immer heraus. Mit Blick auf die Britische M-Learning-Diskussion würde man solche spontan hergestellten, vergänglichen und oft auch nicht reproduzierbaren Lernräume “Learner generated Contexts”, also Lernergenerierte Contexte (Luckin 2010) nennen.

Mobil sein heißt in Bewegung sein
Im Internet kursieren Bilder von Notebook- und iPadklassen, auf denen Schüler*innen zu sehen sind, die mit Notebooks an ihren Schulbänken sitzen, dem oder der frontal unterrichtenden Lehrer*in zugewandt. Ist das wirklich Mobiles Lernen? Gehört zum Mobilen Lernen nicht auch ein gewisses Maß an räumlicher Mobilität? Wer die Diskussion zum Mobilen Lernen kennt, weiß: auch die Mobilität von Kontexten und Konzepten legitimiert die Verwendung des Präfix “mobil”, insofern sind die Fragen als rhetorische zu betrachten. Dennoch: Unterricht im Feld, mit echtem Alltagsbezug, mit Kontakt zu und Gesprächen mit “relevanten Anderen”, Experten und “more able partners” (siehe z.B. Luckin 2010) im Lernprozess, mit der Möglichkeit, in Interaktion mit dem Lerngegenstand zu treten, in der Stadt Eindrücke zu sammeln, die an den Unterricht rückgebunden werden sind als Möglichkeiten und Chancen aufzufassen, die durch die Mobiltechnologien eröffnet werden. Das geschieht jedoch nur, wenn man sich an das heranwagt, was Mobiltechnologien in der Alltagsnutzung eigentlich ausmachen, nämlich das Sammeln, Kommunizieren, Posten, Bewerten, Netzwerken, Produzieren, Rezipieren, Unterhalten, Konsumieren, räumliche Flexibilität, subjektiv geprägte, intuitive und affektive Nutzung der Geräte.

Schüler*innen als Experten anerkennen
Lenkt man seinen Blick auf den Alltag der Schüler*innen, wird man sehen, dass sie während ihrer Freizeit lernen, sich Wissen aneignen, Expertise in bestimmten Bereichen entwickeln, Kompetenzen ausbauen. Sie tun dies vermutlich vornehmlich in Zusammenhang mit ihrer Alltagsorganisation, ihren Hobbys und ihrem Fan-sein – oder aus einfachem Interesse heraus. Solche Ausprägungen von alltagsgeprägtem und informellem Lernen können in kleinen Einheiten in den Unterricht integriert werden, indem man “Kommunikationsbrücken”/”Konversationsanlässe”/”conversational threads” baut/schafft/aufgreift (Bachmair 2010; Seipold et al. 2010; Pachler 2010). Das funktioniert, indem man Schüler*innen z.B. mit selbst gewählten Mitteln, Medien und Modi Präsentationen (nicht zwingend Folien, auch Plakate, Prezis, Fotostories, Filme, Podcasts, Videos, online storytelling, …) erstellen lässt, sie als Fachmänner und -frauen zu Diskussionen in Expertenrunden auffordert, sie per peer teaching Informationen austauschen lässt. So werden Schüler*innen motiviert, zu verbalisieren, zu lesen, zu schreiben, zu reflektieren, Informationen aufzubereiten und weiterzugeben. Der Fantasie und den Möglichkeiten der digitalen Medien sind dabei wenige Grenze gesetzt, und die Schüler*innen dürften mit vielen der Möglichkeiten durch ihr alltägliche Mediennutzung mit ihnen vertraut sein.

An den Alltag der Schüler*innen anknüpfen
An den Alltag der Schüler*innen anzuknüpfen bedeutet, dies auf mehreren Ebenen zu tun: Schon die Verwendung von Mobiltechnologien im Unterricht ist der erste Schritt, erst recht, wenn die Geräte die der Schüler*innen sind. Sind die Geräte erst einmal im Klassenzimmer in Gebrauch, wird schnell deutlich, in welchen Bereichen außerdem die Anknüpfung an der Alltag der Lerner*innen geschehen kann. Hier sind die Apps oder Programme zu nennen, die Zugriff auf bestimmte Funktionen, soziale Netzwerke oder Inhalte erlauben. Fotos von der letzten Party, der Schwester, den Freund*innen, Musik auf dem Gerät und in der Cloud, “trending videos” auf Youtube und Fotos auf Instagram, Kommentare zu einer Statusmeldung auf Facebook von Bekannten – all das und noch viel mehr ist als Ressource verfügbar, auf die jedenfalls im Alltag zugegriffen wird (und in der Schule teils ebenfalls zugegriffen werden könnte). Die Handhabung dieser Funktionen geschieht mittels der Handlungskompetenzen der Schüler*innen. Sie sind von Schüler*in zu Schüler*in unterschiedlich ausgeprägt, abhängig von Verfügbarkeit und daran angebundene Möglichkeiten (Habe ich bestimmte Technologien verfügbar? Kann ich entsprechend auf bestimmte Funktionen und Inhalte zugreifen und meine Handlungskompetenzen entsprechend ausbauen?). Es geht also bei der Anbindung an den Alltag der Schüler*innen um die Geräte und ihre Funktionen, aber auch um Inhalte, die Fähigkeit, mit ihnen umzugehen, um Wissen, das um diese Inhalte und Fähigkeiten herum ausgebildet wurde.

Informelles Lernen erwünscht
Kommen Mobiltechnologien ins Spiel, wäre es schade, in der Schule die Spontaneität und Affektivität, die typisch für die Alltagsnutzung sind, auszuklammern und die Nutzung der Mobiltechnologien in möglicherweise geradlinige Strukturen zu zwängen. Wenn es lediglich darum geht, mit den mobilen Geräten Fotos zu machen – warum verwende ich dann nicht einfach Digitalkameras? Wenn ich die Geräte benutze, um via App Zugriff auf eine Formelsammlung zu bekommen – warum nutze ich dann nicht das Heft mit der Formelsammlung? Mobiles Lernen hat viel mit Kommunikation und Austausch zu tun, damit, sich zur Bewertung zu stellen und andere zu bewerten, spontan Informationen zu recherchieren und sie direkt anzuwenden oder mit anderen zu teilen. So funktioniert das oft intuitiv und “informell” im Alltag und die dazugehörigen Handlungsstrategien sind aus Sicht der Schüler*innen mit Blick auf die zu erreichenden Ziele legitim und auch optimiert. Vor diesem Hintergrund stellt sich also die Frage, an welcher Stelle genau sich “informell” und “formell” voneinander abgrenzen und warum nicht auch das alltagsnahe Lernen, die alltägliche Aneignung von Informationen und Wissen – was sich oft als stark formalisiert (weil optimiert) präsentiert – nicht auch als schulisches Lernen in Frage kommen sollte.

Gruppenarbeit unterstützen
Oft steht die Frage im Raum, wie man als Lehrer*in damit umgehen soll, wenn einige Schüler*innen keine Smartphones oder Tablets haben oder sich mit alten Handys behelfen müssen, während andere Schüler*innen die aktuellste Technologie verfügbar haben. Die Antwort ist Gruppenarbeit oder peer teaching oder kollaboratives Lernen oder wie auch immer man diese Form des gemeinsamen Lernens nennen möchte. Vorteil dabei ist, dass im Idealfall nicht nur ein Austausch mit Blick auf die technische Handhabung der Geräte stattfindet, sondern tatsächlich auch das gemeinsame Aushandeln von Inhalten und Ressourcen, die für die Bearbeitung der Aufgabenstellung in Frage kommen, das Aushandeln von Strategien zur gemeinsamen Bearbeitung der Aufgabenstellung und das Aushandeln der Arbeitsaufteilung bei der Präsentation der Ergebnisse. Dabei steht dieses Vorgehen nicht nur unter dem Vorzeichen von Effizienz, sondern hat nebenbei auch den Effekt, dass Schüler*innen sich über Sinn und Unsinn bestimmter Lernstrategien, präferierten Modi, Sozialformen und die Relevanz von Informationen und Informationsquellen für Lernen auseinandersetzen und dabei gegebenenfalls sich den Perspektiven der Mitschüler*innen gegenüber öffnen.

Kleinschrittig denken
Nach wie vor Angst vor dem Einsatz von Mobiltechnologien? Denken Sie kleinschrittig! Es sind nicht die groß angelegten Projekte, mit viel Geld gefördert und mit der neuesten Mobiltechnologie unterstützt, die als “best practice” gelten müssen. Es reicht aus, in kleinen Einheiten oder “Szenarien” zu denken und sich z.B. zu überlegen, wie zum Thema Frühlingsblumen ein e-Book entstehen kann, wie Schüler*innen sich mit mathematischen Formen in ihrem Alltag auseinandersetzen oder unter Einsatz welcher Technologien Schüler*innen in ihrem Alltag lesen und schreiben. Auch das ist Mobiles Lernen, das durch seine Alltagsanbindung vermutlich nachhaltiger ist als große Vorzeigeprojekte.

Du hast tragbare Technologien – aber bist du schon mobil?
Und letztlich steht noch der Hinweis aus, dass Mobiles Lernen durchaus den Anspruch haben sollte, die Möglichkeiten zu nutzen, die “Mobil”Technologien bieten. Also kommunizieren, organisieren, sich bewegen, recherchieren, lesen, schreiben, netzwerken, planen, veröffentlichen, filmen, fotografieren, bewerten, kopieren, löschen, eintragen, austragen, zum passenden Zeitpunkt einschalten und auch ab und zu einmal ausschalten …

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Referenzen

Bachmair, Ben (2010a): Einleitung: Medien und Bildung im dramatischen kulturellen Wandel. In: Bachmair, Ben (Hrsg.): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften , S. 9-30.

Luckin, Rosemary (2010): Re-designing learning contexts. Technology-rich, learner-centred ecologies, New York: Routledge.

Pachler, Norbert (2010): The Socio-Cultural Ecological Approach to Mobile Learning: An Overview. In: Bachmair, Ben (Hrsg.): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften , S. 153-167.

Seipold, Judith (2012): Mobiles Lernen. Analyse des Wissenschaftsprozesses der britischen und deutschsprachigen medienpädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Mobile Learning-Diskussion, Kassel: Universität Kassel.

Seipold, Judith (2014): Mobiles Lernen. Grundlagen, Kontexte und didaktische Optionen. (Invited Keynote). 3. DaFWEBKON 2014, 15. März 2014, Online. Abstract | Slides | Video

Seipold, Judith; Rummler, Klaus; Rasche, Julia (2010): Medienbildung im Spannungsfeld alltäglicher Handlungsmuster und Unterrichtsstrukturen. In: Bachmair, Ben (Hrsg.): Medienbildung in neuen Kulturräumen. Die deutschsprachige und britische Diskussion. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften , S. 227-241.

 

Vorlage für die Planung von Mobile Learning-Szenarien

Auf dem Workshop “M-Learning von A-Z“, der unter meiner Leitung am 21. und 22. März 2014 bei der Education Group in Linz stattfand und an dem ca. 15 Lehrerinnen und Lehrer aus Österreich teilnahmen, haben wir einen Großteil der Zeit mit der Planung von Mobile Learning-Szenarien verbracht. Eine der zentralen Fragen der Teilnehmer*innen war natürlich, wie man Mobiles Lernen konzipiert und umsetzt. Die Teilnehmer*innen hatten teils profunde Vorkenntnisse, teils kamen sie als Neulinge zum Workshop.

Um nun mehrere Schularten, Schulstufen und Fächerausrichtungen zu bedienen, bedarf es einer Planungsvorlage, die allgemein gehalten ist und einfachen Zugang zu der Nutzung von Mobiltechnologien erlaubt. Sie kann also nicht auf die jeweiligen Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer dieser gemischten Gruppe zugeschnitten sein. Entsprechend habe ich das folgende Grundmuster als Anregung zur Planung von Szenarien zur Verfügung gestellt:

  1. Curriculum
    1. Schulart
    2. Schulstufe
    3. Fächerbezug
  2. Aufgabenstellung

  3. Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Mobiltechnologie (Hard- und Software)
    1. Welche Funktionen können genutzt werden?
    2. Gibt es evtl. Apps?
  4. Alltagsmediennutzung / Handlungskompetenzen / Lern- und Aneignungsformen, die in Zusammenhang mit der Nutzung der Mobilfunktionen stehen; Handlungsoptionen

  5. Nachhaltigkeit; gemeinsame Informationsbasis; Aushandeln von Bedeutungen / Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis / Lernen
    1. Plattform, Cloud

In der grafischen Darstellung wird deutlich, welche Rolle Mobiltechnologien im didaktischen Konzept spielen und welche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Planungspunkten bestehen.

Planung von M-Learning-Szenarien (Seipold 2014) Planung von M-Learning-Szenarien (Seipold 2014)

Der Einsatz der Mobiltechnologien sollte unter drei Voraussetzungen stattfinden: Erstens sollten die Geräte verwendet werden, die verfügbar sind (“bottom-up”). Zweitens sollten die Technologien nur dann eingesetzt werden, wenn es als sinnvoll erachtet wird (“bedarfsorientiert”). Drittens sollte das Mobile Lernen außerhalb des Klassenzimmers stattfinden, in unserem Fall in der Linzer Innenstadt (“mobil”).
Die curricularen Anforderungen (1) sowie Lernziel und Aufgabenstellung entsprechend Lehrplan (2) kommen zunächst ohne Mobiltechnologien aus. Die Geräte und ihre Funktionen (3) werden erst an der Stelle relevant, an der die Schüler*innen sie bei der Erfüllung des Lernziels einsetzen können. An die Nutzung von Geräten und Funktionen, die in unserem Fall entsprechend eines bottom-up-Ansatzes die der Lerner*innen sind,  sind vor dem Hintergrund des alltäglichen Medienhandelns auch bestimmte Aneignungsformen und die Nutzung bestimmter Ressourcen gebunden (4). Ebenso in direktem Zusammenhang mit der Nutzung der Mobiltechnologien steht die Nachhaltigkeitsstrategie beim Verfügbarmachen einer gemeinsamen Informationsbasis (5), auf deren Grundlage die Schüler*innen (gleichberechtigt) gemeinsam lernen und Bedeutungen aushandeln können. Die Nachhaltigkeit ist hier eher als infrastruktureller Aspekt zu betrachten (Plattform, Cloud, Lokale Speicher, P2P, …). An ihr müssten sich allerdings ggf. Handlungsstrategien der Schüler*innen (4) ausrichten.

Diese einfache Planungsvorlage eignet sich nach Aussagen der Workshop-Teilnehmer*innen gut, um schnell Unterrichtsszenarien mit Mobiltechnologien zu planen – auch Neulinge auf dem Gebiet können damit arbeiten. Herausforderung jedoch bedeutete zum einen die Frage nach der Nachhaltigkeitsstrategie beim Mobilen Lernen. Hier wurden sowohl bei der Planung als auch während der Umsetzung Speicherlösungen nicht unmittelbar eingebunden. Vielmehr haben die Teilnehmer*innen nach Beendigung des Feldversuchs ihre Ergebnisse auf Blogs gepostet und somit längerfristig verfügbar gemacht. Zum anderen war es teils sehr zeitaufwendig, Apps zu recherchiere, die bestimmte Funktionen zur Verfügung stellen.

Out now: Mobiles Lernen. Analyse des Wissenschaftsprozesses der britischen und deutschsprachigen medienpädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Mobile-Learning-Diskussion.

Jetzt verfügbar:

Seipold, Judith (2012): Mobiles Lernen. Analyse des Wissenschaftsprozesses der britischen und deutschsprachigen medienpädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Mobile-Learning‐Diskussion. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Philosophie (Dr. phil.) im Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Kassel.

ISBN: 978-3-00-040411-5
ISBN-A: 10.978.300/0404115
doi: dx.doi.org/10.978.300/0404115

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Abstract:

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