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Out now: Grundlagen des mobilen Lernens. Themen, Trends und Impulse in der internationalen Mobile Learning-Forschung

Im Juli 2017 ist mein Text “Grundlagen des mobilen Lernens. Themen, Trends und Impulse in der internationalen Mobile Learning-Forschung” in Frank Thissens “Lernen in virtuellen Räumen” 13 erschienen. Post zu den “Sad Facts about Mobile Learning”, die es nicht in das Fazit geschafft haben, siehe hier, Einleitung des Textes im Folgenden:

Einleitung:
Mobiles Lernen – als eigenständiges Forschungsfeld (Traxler 2010b) seit ca. 2000 auszumachen – unterliegt aktuell einem Wandel. Dominierte über viele Jahre hinweg Praxisforschung das Feld, so differenziert es sich in den letzten Jahren immer mehr zugunsten theoretischer Überlegungen und der Schulentwicklungsforschung aus (zu einer Übersicht der Phasen und Entwicklungslinien siehe Seipold 2012, 2013a). Auch wenn sich diese und andere Trends deutlich zeigen, so ist mobiles Lernen auch im Jahr 2017 noch ein „geräuschvolles“ (Traxler 2009, 2) Feld: So wird in Zusammenhang mit Mobilem Lernen aus erziehungswissenschaftlicher und pädagogischer Sicht von der Lernerzentrierung (Naismith et al. 2004, 36; Traxler 2009, 4; Luckin et al. 2010), der Öffnung der Schule für den Alltag der Lernenden (Pachler/Bachmair/Cook 2010), Lernen auch in der Freizeit (Naismith et al. 2004, 5; Sharples/Taylor/Vavoula 2005), Lernen als Lückenfüller (Sharples 2007, 3), von „neuem“ Lernen (Naismith et al. 2004, 36), der Verschiebung von Machtverhältnissen beim Zugriff auf und Verteilung von Wissen (Luckin et al. 2010) und der Demokratisierung des Lernens (Luckin et al. 2010) gesprochen. Lernen wird dabei zu Aneignung und Bedeutungszuweisung, Orte und Zeiten zu Kontexten, Mediennutzerinnen und Mediennutzer zu Lernenden und Lehrende zu Moderierenden. Grenzen, die bisher starr gezogen wurden wie z. B. die zwischen Schule und Alltag, formalisierten und informellen Kontexten, verschwimmen. Gleichzeitig nimmt (kulturelle) Situiertheit beim Lernen eine wichtige Position ein. Aber: Eine einheitliche Definition des mobilen Lernens existiert bis dato nicht (Seipold 2012). Es gibt trotz der Versuche von Sharples et al. (2010) noch keine Theorie des mobilen Lernens, mobiles Lernen wird oft immer noch als Anhängsel des E-Learning gesehen (Traxler 2009; de Witt et al. 2011). Eine systematische und nachhaltige Implementierung des Mobilen Lernens in formalisierte Aus- und Weiterbildungskontexte fehlt ebenso wie umfangreiche didaktische Konzepte (Cochrane 2013b).

Referenz:
Seipold, Judith (2017): Grundlagen des mobilen Lernens. Themen, Trends und Impulse in der internationalen Mobile Learning-Forschung. In: Thissen, Frank (Hrsg.): Lernen in virtuellen Räumen. Perspektiven des mobilen Lernens. De Gruyter, Berlin, S. 11-27.

Druckausgabe ISBN 9783110501131
Online Buch: https://doi.org/10.1515/9783110501131
Online Kapitel: https://doi.org/10.1515/9783110501131-002

Sad facts about mobile learning

Sad Facts About Mobile Learning

Im Mai 2016 hatte ich die “Sad Facts About Mobile Learning” an das Ende meiner Reflexion (Seipold 2016a) der damals vergangenen tAPP-Phase gestellt und heute habe ich sie aus dem Fazit eines Textes* gelöscht, der vermutlich 2017 veröffentlicht werden wird. Und nun veröffentliche ich die drei Stichpunkte hier. Aus Gründen. Also:

 

Sad facts about mobile learning:

  • They don’t get it: Was ist Mobiles Lernen? „Mobiles Lernen steht für zeitgemäßes Lehren und Lernen mit aktuell verfügbaren Technologien“ (Seipold 2016b). Sicher, zentral sind die Fragen ‚wen oder was trage oder bewege ich wann warum wohin, um zu lernen?‘. Doch in der Fachdiskussion sollten solche Grundlagen eigentlich schon seit Jahren nicht mehr als revolutionäre Erkenntnisse herhalten müssen. Es geht doch bereits seit Mitte des letzten Jahrzehnts darum, wie sich Lehren und Lernen verändern muss, um zeitgemäß zu sein. Dazu gehören neben analogen und digitalen Medien selbstverständlich aktuelle und tragbare Technologien.
  • They don’t like you: Bildungseinrichtungen mögen keine ForscherInnen und LehrerInnen, die Mobiles Lernen in Aus- und Weiterbildungskontexten langfristig umsetzten möchten. Denn sie gehen in den Perspektiven und Praktiken der Bildungseinrichtungen oft nicht konform. Warum? Bildungseinrichtungen haben die Lernenden im Blick und klammern Technologien aus; sie konzentrieren sich beim Lernen auf Ressourcen zugunsten von nachhaltigen Strukturen; sie ignorieren Alltagsbezüge bei der Nutzung von Mobiltechnologien und von Lernpraktiken; sie adaptieren viel zu spät Technologietrends; sie vernachlässigen Rollenveränderungen bei den am Lernprozess Beteiligten; und sie lieben es, zu objektivieren – trotz der Forderung nach personalisiertem und lernerzentriertem Lernen.
  • They fail: Mobiles Lernen steht nicht nur für die Entwicklung, Innovation und Zukunft. Mobiles Lernen steht zentral auch für die Unfähigkeit, didaktische Konzepte zu entwickeln, die den technologischen Möglichkeiten und dem Selbstverständnis der Lernenden nachhaltig gerecht werden. Natürlich, sie existieren, aber man muss sie suchen. Und ja, auch die Autorin muss sich hier in der Verantwortung sehen.

In diesem Sinne: Think Mobile!

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